Büros werden weiterhin eine grosse Bedeutung haben, auch weil der Homeoffice-Trend offenbar an Fahrt verliert. Zu dieser Einschätzung kommt Michael Bütter, Chef des Immobilieninvestors Union Investment Real Estate. Mit seiner Meinung ist der Manager nicht allein.
«Insgesamt nehme ich Anzeichen wahr, dass sich der Homeoffice-Trend abschwächt und Unternehmen sehr wohl die Anwesenheit ihrer Mitarbeitenden im Büro wieder aktiv einfordern, selbst wenn es eine höhere Flexibilität bei der Arbeitsplatzgestaltung gibt», sagte Bütter zu Bloomberg.
Studie von JLL
Das deckt sich mit einer Analyse des Immobiliendienstleisters JLL. Dieser hat in einer weltweiten Studie zu Jahresbeginn festgestellt, dass 87% der Unternehmen eine Rückkehr ihrer Mitarbeiter ins Büro fordern. Nach drei experimentellen Jahren wende sich das Blatt gerade wieder.
Vergangenes Jahr hatte die Hamburg Commercial Bank (HCOB) für Schlagzeilen gesorgt, als sie das Homeoffice auf einen Tag pro Woche kürzte. Die BayernLB erklärte fast zeitgleich, dass sie Wert darauf lege, dass die Kollegen wieder öfter ins Büro kommen, verzichtete aber auf starre Quoten.
Bütter ist nach eigenen Worten «fest davon überzeugt, dass hochwertige Büroflächen mit einer guten Infrastruktur auch in Zukunft nachgefragt bleiben». Büros seien zu Repräsentationszwecken, zum Austausch innerhalb der eigenen Organisation oder im War for Talents unabdingbar.
Büroverzicht als Sparmittel?
Ohnehin sind laut Bütter die Möglichkeiten für Unternehmen, über den Verzicht auf Büroflächen Kosten zu senken, sehr gering. Bürokosten würden nur 5% bis 10% der Gesamtkosten eines Beschäftigten ausmachen.
«Studien zeigen ausserdem, dass die Anzahl der Bürobeschäftigten in den Metropolen in den kommenden Jahren im Schnitt um rund ein Prozent pro Jahr wachsen wird. Es müssen künftig also tendenziell eher mehr Büroarbeitsplätze vorgehalten werden», sagte Bütter.
Büroimmobilienmarkt unter Druck
Der Siegeszug des Homeoffice, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, und steigende Zinsen hatten in den vergangenen beiden Jahren den Markt für Büroimmobilien besonders stark unter Druck gesetzt. Vielerorts sanken die Bewertungen solcher Objekte.
Union Investment Real Estate hatte trotz des schwierigen Marktumfelds das Gesamtimmobilienvermögen zuletzt auf rund 48 Milliarden Euro gesteigert. Dass die Tochter der DZ Bank dem Segment Büro trotz Verkaufs einiger Bürogebäude weiter Potenzial zumisst, zeigt sich auch daran, dass sie vergangenes Jahr in den italienischen Büromarkt eingestiegen ist.
Bütter sprach davon, dass Union Investment eine «Opportunität im italienischen Büroimmobilienmarkt genutzt» habe.
(Bloomberg)
