Die ‌Nachricht ‌sorgte am Donnerstag für eine Kursrally bei den Aktien der kriselnden Immobilienkonzerne. Die Papiere von China Aoyuan schossen zeitweise um ein Drittel in die Höhe, die von Logan Group legten um mehr als 20 Prozent zu.

Einer dem Wohnungsbauministerium unterstehenden Fachzeitung zufolge müssen ​Entwickler keine monatlichen Daten mehr wichtigen Kennzahlen vorlegen. Das Ministerium äusserte sich auf ‌Nachfrage zunächst nicht dazu. In einer weiteren neuen Massnahme erlauben ‌die Behörden den Banken, künftig Kredite für bestimmte Immobilienprojekte um bis zu fünf Jahre zu verlängern, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Insidern der Nachrichtenagentur Reuters.

Mit ihren «Drei Roten Linien» hatte die Regierung 2020 die Kreditaufnahme der Branche an strenge Kennzahlen geknüpft. Damit sollte die ausufernde Verschuldung eingedämmt werden. So durften die Verbindlichkeiten höchstens 70 Prozent der Vermögenswerte ausmachen, ⁠während der Nettoverschuldungsgrad nicht grösser als das Eigenkapital sein durfte. Kurzfristige Verbindlichkeiten wiederum müssen bislang vollständig durch liquide Mittel gedeckt sein.

Dies löste jedoch ab Mitte 2021 eine schwere Liquiditätskrise aus, in deren Folge zahlreiche Konzerne der Branche ihre Schulden nicht ​mehr bedienen konnten. So befindet sich der einst grösste chinesische Immobilienentwickler China Evergrande inzwischen in ‌der Abwicklung, während andere Branchengrössen wie Country Garden oder China Vanke ums ‍Überleben kämpfen. Die Krise am Immobilienmarkt belastet die gesamte chinesische Wirtschaft schwer und hat das Vertrauen von Käufern und Investoren erschüttert.

Experten dämpften jedoch die ​Hoffnung auf eine schnelle Erholung. «Die Regeln erfüllten angesichts der Veränderungen in der Branche nicht mehr ihren Zweck», sagte Liu Shui von der Analysefirma China Index Holdings. Die Entwickler hätten sich «vom schuldengetriebenen Expansionsmodell verabschiedet und konzentrieren sich stattdessen auf eine ‌qualitativ hochwertige Entwicklung». Er warnte jedoch, dass die Abschaffung der bisherigen Regeln die ⁠Finanzierungsprobleme der Branche nicht lösen dürfte. «Da sich der Immobilienmarkt immer noch ‌in einer tiefen Anpassungsphase befindet und die Finanzinstitute risikoscheu bleiben, sind wesentliche Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen kurzfristig unwahrscheinlich», sagte Liu. Die Regierung hat bereits eine ‍Reihe von Stützungsmassnahmen ergriffen, konnte den Preisverfall bei neuen Häusern bislang aber bislang nicht stoppen.

Analysten von Citi erklärten in einer Studie, dass die Abschaffung der Richtlinie voraussichtlich keinen Zufluss neuer Mittel in den ​Immobiliensektor bringen werde. Die meisten privaten Projektentwickler hätten mit Kreditverlängerungen oder -restrukturierungen zu kämpfen. Staatliche ‍Unternehmen wiederum müssten noch andere regulatorische Auflagen erfüllen, um weitere Kredite aufnehmen zu können. «Dennoch sehen wir diesen Schritt als mögliches Signal dafür, dass der Schuldenabbau und die Kapazitätsreduzierung im Immobiliensektor – zumindest aus Sicht der Stimmung – abgeschlossen sind», hiess es weiter.