Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte. Damit wurden die Erwartungen von Analysten verfehlt, die im Schnitt mit einem Wachstum von 4,5 Prozent gerechnet hatten. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch 5,0 Prozent betragen. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent.
Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas verlief zuletzt zunehmend zweigeteilt. Als wichtige Stütze erwies sich der Aussenhandel. Nach den am Vortag veröffentlichten Zahlen der Zollbehörde stiegen die Exporte im Juni in US-Dollar gerechnet um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Importe legten um 36 Prozent zu.
Der Exportboom sorgt allerdings auch für wachsende Handelskonflikte. Auch in Deutschland und der EU wird darüber diskutiert, wie mit den rasch steigenden Einfuhren chinesischer Produkte und den Überkapazitäten umgegangen werden soll.
Im Inland bleibt die Lage dagegen schwierig. Die Investitionen in den Immobiliensektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein. Der anhaltende Abschwung auf dem Immobilienmarkt belastet das Vertrauen und die Kaufbereitschaft vieler Haushalte.
Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Industrieproduktion nach Angaben der Statistikbehörde um 5,4 Prozent, die Einzelhandelsumsätze legten aber lediglich um 1,3 Prozent zu. Chinas Wachstum wird damit weiterhin stark von der Produktion und den Exporten getragen, während die Nachfrage im eigenen Land zurückbleibt.
Ministerpräsident Li Qiang hatte am Montag bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft und weitere Massnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert.
(AWP)

