Während China und die USA um die technologische Vorherrschaft ringen, hat Peking Programme zur Anwerbung von Spitzenkräften aufgelegt - darunter das «1000-Talente»-Programm. Dieses bietet hohen Lohn und grosszügige Stipendien für Forschende in als strategisch eingestuften Bereichen, insbesondere in Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM).
Doch auch jüngere Forschende, die nicht direkt von solchen Staatsprogrammen angesprochen werden, kommen inzwischen vermehrt nach China, wie von der Nachrichtenagentur AFP befragte Akademiker berichten.
«Man hört von diesen ultramodernen Laboren und davon, dass die Regierung Bereiche wie KI und Quantenforschung finanziert», sagt Mejed Jebali, ein tunesischer Doktorand in künstlicher Intelligenz an der Jiaotong-Universität in Shanghai. «Die Geschwindigkeit, mit der Dinge umgesetzt werden, ist wirklich beeindruckend.»
Rückkehr chinesischer Forschender
Offizielle Daten darüber, wie viele ausländische Wissenschaftler sich in China niederlassen oder wie viele chinesische Forschende zurückkehren, gibt es nicht. Doch mindestens 20 führende Köpfe aus diesen Bereichen haben den Schritt gewagt, wie aus Angaben von Universitäten und Forschenden hervorgeht, die der AFP vorliegen.
So verliess der Onkologe Feng Gensheng die Universität von Kalifornien, um sich dem Shenzhen Bay Laboratory im Süden Chinas anzuschliessen. Der Deutsche Roland Eils, Experte für digitale Gesundheit, arbeitet heute in Teilzeit an der Fudan-Universität in Shanghai.
«Es scheint, dass deutlich mehr ausländische Wissenschaftler, insbesondere mit chinesischen Wurzeln, nach China zurückkehren als noch vor etwa zehn Jahren», sagt Futao Huang, Professor an der Universität Hiroshima in Japan. Der finnische Waldspezialist Markku Larjavaara erhielt 2019 eine Stelle an der renommierten Universität Peking, nachdem er festgestellt hatte, dass es in seinem Heimatland «ziemlich schwierig ist, Professorenstellen zu bekommen».
«Pragmatischere» Forschung
Lingling Zhang, die an die China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai wechselte, nachdem sie rund zwanzig Jahre in den USA verbracht hatte, gibt zu, dass sie eine «pragmatischere» Forschung anzog - mit «exzellentem Zugang zu einer grossen Zahl von Unternehmerinnen, Unternehmern und Fachleuten».
Das hohe Tempo der industriellen Entwicklung in China eröffne mehr Möglichkeiten für «wissenschaftlich solide, aber anwendungsorientierte Forschung», erklärt ein Materialwissenschaftler, der aus einer europäischen Universität nach China gezogen ist und anonym bleiben möchte.
«Die Qualität der Publikationen, die heute von den grossen chinesischen Institutionen produziert werden, steht jenen der besten amerikanischen und europäischen Universitäten in nichts nach. In manchen Bereichen ist sie sehr konkurrenzfähig, ja sogar führend», so dieselbe Quelle.
Laut der Fachzeitschrift Nature gehörten 2025 vier der fünf weltweit führenden Forschungsinstitute für Natur- und Gesundheitswissenschaften zu China - und nicht wie früher zu Europa oder den USA.
«Mittel, Ressourcen und Unterstützung»
Nach China zu gehen, «hätte ich vor 15 Jahren nicht gemacht», sagt Jason Chapman, ein weltweit führender Experte für Insektenmigration, der seit Kurzem an der landwirtschaftlichen Universität von Nanjing (Osten Chinas) arbeitet. Doch in den vergangenen fünf Jahren hätten «die Mittel, die Ressourcen und die Unterstützung», die in China weit grösser seien als im Ausland, die Lage verändert.
Für Akademikerinnen und Akademiker chinesischer Herkunft in den USA hätten «die verschärften Sicherheitsvorschriften in der Forschung, die strengere Visakontrolle und politische Empfindlichkeiten [...] Unsicherheit geschaffen», erklärt Futao Huang.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass ihre Abwanderung seit 2018 um 75 Prozent gestiegen ist - nach Einführung einer Massnahme der ersten Trump-Regierung, die Forschungsbereiche auf mögliche chinesische Spionage untersuchen sollte.
Gleichzeitig müssen jene, die nach China ziehen, mit Schwierigkeiten rechnen. Huang verweist auf Bedenken hinsichtlich der akademischen Freiheit und der Autonomie der Forschenden, sowie auf mangelnde Transparenz bei Evaluations- und Beförderungssystemen - ganz zu schweigen von «geopolitischen Unsicherheiten, die die internationale Wahrnehmung und Entscheidungen über Mobilität beeinflussen».
(AWP)
