Letzteres war nicht selbstverständlich. Denn Clariant liegt nach sechs Monaten immer noch hinter dem Fahrplan. Im zweiten Quartal hat sich die Entwicklung allerdings deutlich verbessert.
In Zahlen ausgedrückt setzte Clariant von Januar bis Juni 1,86 Milliarden Franken um - 6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Währungseffekte ausgeklammert schrumpften die Verkäufe in Lokalwährungen um 1,2 Prozent.
Für 2026 rechnet Clariant weiterhin mit einem in Lokalwährungen ungefähr stabilen Umsatz. Die Nachfrage blieb allerdings schwach: Von April bis Juni gingen die Absatzmengen um gut 3 Prozent zurück. Höhere Verkaufspreise von ebenfalls rund 3 Prozent glichen diesen Rückgang auf Umsatzebene weitgehend aus.
Nahostkonflikt belastet
Insbesondere das Geschäft der Division Katalysatoren hat laut Firmenchef Conrad Keijzer zuletzt unter der Lage im Nahen Osten gelitten. Viele Kunden in der Region hätten ihre Bestellungen verschoben.
Keijzer glaubt aber an eine Erholung des Geschäfts mit Katalysatoren in der zweiten Jahreshälfte. «Kunden ausserhalb des Nahen Ostens beginnen nach und nach, ihre Aktivitäten zu erhöhen», sagte der CEO. «Catalysts kann auch bei tiefen Volumen sehr profitabel arbeiten», ergänzte er.
Fakt bleibe aber: Die Strasse von Hormus ist immer noch nicht durchgehend geöffnet. Die Preise vieler für Clariant wichtiger Ölderivate dürften im Urteil des CEO daher deutlich teurer bleiben als vor Ausbruch des Kriegs.
Sparziel erhöht
Der operative Gewinn von Clariant profitierte von verschiedenen Restrukturierungsmassnahmen. Und nicht zuletzt wegen des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten suchte der Konzern nach neuen Sparmöglichkeiten - und hat sie auch gefunden.
Neu soll das «Performance Improvement Programm» bis 2027 die Kosten des Chemiekonzerns um 100 Millionen Franken senken. Das sind 20 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Der Betriebsgewinn EBITDA stieg daher im Halbjahr um 3,1 Prozent auf 300,2 Millionen Franken.
Die entsprechende Marge kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 140 Basispunkte auf 16,1 Prozent. Bis spätestens 2027 will der Konzern auf einen Wert von mindestens 19 Prozent kommen. Der Reingewinn lag mit 85 Millionen Franken fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.
«Ermutigendes» Urteil in Amsterdam
Einen ersten Lichtblick gab es in dem schwelenden Milliardenstreit rund um das frühere Ethylen-Kartell von Clariant und drei andere Firmen: Ein Gericht in den Niederlanden hat eine milliardenschwere Schadenersatzklage von Shell abgewiesen.
Firmenchef Keijzer sprach von einem «ermutigenden» Zeichen. «Das Gericht in Amsterdam hat unsere Position bestätigt, was wir willkommen heissen», sagte er. Das Urteil erhöhe die Wahrscheinlichkeit für einen ebenfalls positiven Richterspruch in den anderen Verfahren.
ra/cg
(AWP)
