Kurz nach Handelsbeginn legte die Deutsche-Bank-Aktie um mehr als fünf Prozent auf 32,68 Euro zu und war damit grösster Gewinner im Dax. Damit machte sie ihre seit dem Jahreswechsel aufgelaufenen Kursverluste nahezu wett.
Die Quartalszahlen des Frankfurter Geldhauses seien «auf ganzer Linie stark» ausgefallen, schrieb Branchenexperte Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan. Ausser im Fondsgeschäft habe die Bank die Markterwartungen in allen Geschäftsfeldern übertroffen. Im Geschäft mit Anleihen habe sie zudem besser abgeschnitten als die US-Konkurrenz.
Zum Gewinnplus im zweiten Quartal trug die Investmentbank mit einem Sprung um fast 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro fast die Hälfte bei - jene Sparte also, von der sich die Deutsche Bank nach den Skandalen und teuren Rechtsstreitigkeiten der Vergangenheit unabhängiger machen wollte. Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - in der Sparte stiegen mit rund 3,2 Milliarden Euro auf den höchsten Wert seit der Neuaufstellung des Geschäftsbereichs im Jahr 2019.
Unter dem Strich stehen für Deutschlands grösstes Geldhaus für den Zeitraum April bis Juni gut 1,6 Milliarden Euro Gewinn - zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor, aber etwas weniger als 2007. Angesichts der überraschend guten Ergebnisse, die die Markterwartungen übertrafen, will die Bank weitere 500 Millionen Euro in den Rückkauf eigener Aktien stecken.
Konzernchef Sewing will Rendite nach oben treiben
«Zusammen mit unseren bisherigen Rekordergebnissen in diesem Jahr stärken diese Entwicklungen unsere Zuversicht, dass wir unsere Ziele für 2028 übertreffen können», erklärte Konzernchef Christian Sewing. Der Manager, der die Führung des Geldhauses nach etlichen Krisenjahren im April 2018 übernommen hatte, will die Eigenkapitalrendite auf mehr als 13 Prozent steigern. Im zweiten Quartal lag sie bei 11 Prozent. Diese Rendite zeigt, wie effizient Banken ihr Kapital zur Erzielung von Gewinnen einsetzen.
Künstliche Intelligenz (KI) eröffne «neue Möglichkeiten, Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen und zusätzliche Einsparungen zu erzielen», bekräftigte Sewing. Die Bank will bis 2028 für einen Euro Ertrag weniger als 60 Cent aufwenden. Im ersten Halbjahr waren es noch fast 61 Cent.
Getrübt wurde der Aufschwung zuletzt erneut von Ermittlungen der deutschen Justiz. Nachdem Ermittler von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt bereits im Januar die Zentrale des grössten deutschen Geldhauses durchsucht hatten, folgte im Juli eine weitere Durchsuchung. Diesmal ging es um Beweise für fragwürdige Aktiengeschäfte aus früheren Postbank-Zeiten. Die Deutsche Bank ist in diesem Fall Rechtsnachfolgerin der Postbank.
Nach sechs Monaten auf Rekordkurs
Die Bank sieht sich auf gutem Weg, ihre Erträge im Gesamtjahr 2026 wie geplant auf rund 33 Milliarden Euro zu steigern. Nach sechs Monaten stehen rund 17,2 Milliarden Euro Erträge in der Zwischenbilanz.
Der Halbjahresgewinn von rund 3,6 Milliarden Euro unter dem Strich kommt nicht ganz an das Ergebnis von 2007 heran: Im letzten Jahr vor dem Höhepunkt der Finanzkrise entfielen auf die Aktionäre der Deutschen Bank in den ersten sechs Monaten knapp 3,9 Milliarden Euro.
Im Gesamtjahr 2025 hatte die Deutsche Bank mit gut 9,7 Milliarden Euro das bisher höchste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte erzielt. Unter dem Strich standen 6,1 Milliarden Euro Überschuss. Höher war der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn nur im Rekordjahr 2007 mit damals rund 6,5 Milliarden Euro./stw/ben/nas/mis
(AWP)
