«Die Jahresbilanz der Chemie ist unterirdisch - Produktion, Umsatz und Preise sind im roten Bereich», fasste der Hauptgeschäftsführer Wolfgang Grosse Entrup das vergangene Jahr für die Branche zusammen. 2026 werde nicht leichter. Schon vor dem Iran-Krieg habe es keine Aufbruchsstimmung gegeben. Die Branche leide insgesamt unter einer schwachen Industriekonjunktur, hohem Importdruck und einem intensiven Preiswettbewerb.

Jetzt sorge der Iran-Krieg für weitere Risiken aufgrund der Blockade der Strasse von Hormus, sagte der Manager. Neben der Öl- und Gasversorgung könnte es zu ernsten, zunehmenden Versorgungsengpässen bei Rohstoffen wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel kommen. Es gebe bereits Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten. Je länger der Krieg dauere, desto heftiger seien die Folgen. «Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit bringen viele Betriebe an ihre Grenzen.»

Viele Chemiekonzerne haben wegen der konjunkturellen Lage bereits Sparprogramme aufgelegt. So baut der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF als Teil seiner Sparkurses Tausende Jobs ab: Rund 4.800 Beschäftigte hätten das Unternehmen zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 verlassen, sagte Finanzvorstand Dirk Elvermann Ende Februar. Etwa die Hälfte davon entfallen laut BASF auf Deutschland. Ein Ende des Beschäftigungsabbaus in der Chemie sei derzeit nicht absehbar, teilte der Verband mit.

Im vergangenen Jahr hatte die Chemie- und Pharmabranche mit 478.000 Beschäftigten unter einer Nachfrageschwäche und billiger Konkurrenz aus China gelitten. Der Umsatz 2025 schrumpfte um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro. Die Produktion sank um 0,5 Prozent./mne/stk

(AWP)