Der Dollar hatte zu Beginn des Iran-Kriegs vor allem von der gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten profitiert. Zum einen gilt der Greenback als sicherer Hafen, da Investoren sich von risikoreichen Anlagen trennen und Dollar kaufen. Zum anderen wird Öl überwiegend in Dollar bezahlt. Die Ölpreise haben seit Beginn des Iran-Kriegs kräftig zugelegt, sodass der Dollar auch deswegen stärker nachgefragt war. Zudem zogen die Renditen auf US-Staatsanleihen wegen Inflationssorgen seit Ende Februar an. Das macht Anlagen in US-Papiere tendenziell attraktiver und steigert die Dollar-Nachfrage.
In der Nacht auf Mittwoch haben sich nun der Iran und die Vereinigten Staaten wenige Minuten vor dem Ablauf eines erneuten Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine Feuerpause geeinigt. Irans Aussenminister kündigte zugleich eine Öffnung der Strasse von Hormus an. In Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen solle der Schiffsverkehr in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge ermöglicht werden, schrieb Abbas Araghtschi in einer Erklärung.
«Vermutlich dürften bei einem nachhaltigen Waffenstillstand (und erfolgreichen Friedensverhandlungen) auch die Zentralbankerwartungen korrigieren», schreibt die Commerzbank in einem Kommentar. Es erscheine doch sehr unwahrscheinlich, dass die EZB oder die Bank of England drei oder gar mehr Zinserhöhungen lieferten, sollte der Krieg vorerst beendet sein. Marktteilnehmer sollten allerdings nicht zu optimistisch sein, denn viele Details seien noch ungeklärt und es sei auch fraglich, ob die Waffenruhe tatsächlich halte.
Bei ING heisst es, Investoren dürften zunächst das Verkehrsaufkommens durch die Meerenge genau beobachten. Ein deutlicher Anstieg des Verkehrsaufkommens dürfte die Ölpreise weiter belasten und die stagflationären Investitionstrends umkehren, die im letzten Monat an den Märkten zu beobachten waren. «Diese Trends waren geprägt von einer dramatischen, bärischen Abflachung der Zinskurven, einer Schwäche an den Aktienmärkten und einem stärkeren Dollar - rechnen Sie jedoch nicht mit einer vollständigen Umkehr der Trends vom März.»
Nachdem der Euro gegen den Dollar zunächst deutlich angezogen hatte, kostet er aktuell mit 1,1681 US-Dollar ähnlich viel wie am Morgen. Am Vorabend wurde die europäische Gemeinschaftswährung noch zu 1,1575 Dollar gehandelt. Auch zum Franken fiel der US-Dollar in der Nacht um einen Rappen auf 0,7890 Franken. Aktuell geht er ebenfalls kaum verändert zu 0,7885 um.
Im Vergleich dazu sind die Bewegungen im Euro/Frankenpaar relativ gering. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 0,9211 Franken, während sie am Vorabend noch 0,9252 Franken gekostet hatte.
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(AWP)
