«Zunächst einmal profitiert der US-Dollar in Kriegssituationen in der Regel, da er die Weltleitwährung ist», kommentiert die Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank in einem Morgenkommentar. «Soll heissen: Ein erheblicher Teil der grenzüberschreitenden Kredite und Anleihen sind in US-Dollar denominiert. Um Zahlungsfähigkeit für den Fall der Fälle sicherzustellen, steigt die Nachfrage nach der US-Währung in unsicheren Zeiten daher.»
Zudem dürfte sich die US-Wirtschaft gegenüber einem möglichen Ölpreisschock als widerstandsfähiger erweisen als die Wirtschaft im Euroraum. Dies gelte nicht zuletzt, weil die Eurozone ein Netto-Ölimporteur sei, sagte die Commerzbank-Expertin. Daher könnte die US-Notenbank auf die inflationären Folgen eines Ölpreisanstiegs mit kräftigeren Zinserhöhungen reagieren als die Europäische Zentralbank, die dann mehr Rücksicht auf eine schwächelnde Konjunktur nehmen müsste. Vieles hänge daher nun von der Dauer des Krieges und des Anstiegs der Ölpreise ab.
Das Euro/Dollar-Paar notiert aktuell bei 1,1745. Während es sich gegenüber dem frühen Montagmorgen damit kaum bewegt hat, liegt der aktuelle Kurs weiter klar unter den 1,1821 vom Freitagabend. Auch zum Franken hat der Greenback seit Freitagabend zugelegt, wie der Stand von 0,7714 nach 0,7681 zeigt.
Das Euro/Franken-Paar ist am Montagmorgen zunächst bis auf 0,9034 abgesackt - abgesehen von kurzfristigen Bewegungen bei der Auflösung der Euro-Mindestgrenze der SNB 2015 - markiert dies einen neuen Rekord des Frankens zur Gemeinschaftswährung. Aktuell hat es sich auf 0,9060 wieder etwas nach oben bewegt.
«Der ultimative sichere Hafen unter den Währungen ist aktuell jedoch nicht der US-Dollar, sondern, wie schon im vergangenen Jahr gesehen, der Schweizer Franken», so heisst es in dem Commerzbank-Kommentar weiter. Das liege weniger an fundamentalen Faktoren, sondern eher daran, dass der Franken diesen Status ohnehin schon habe. Ob mit Beginn des Krieges der Dollar wieder längerfristig stärker wird, muss sich zeigen.
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(AWP)

