Die im Dax notierte Aktie verlor am Mittwochvormittag 2,6 Prozent. Das Plus seit Jahresbeginn schrumpfte damit auf gut ein Fünftel. Die Vergleichswerte der Jahre 2024/2025 seien sehr schwach gewesen, deshalb nun das starke Wachstum des Logistikkonzerns, gab Jefferies-Analyst Michael Aspinall zu bedenken.

Alexia Dogani von der US-Bank JPMorgan gab sich zufriedener: Dem Logistikkonzern sei die Rückkehr zu starkem Volumenwachstum gelungen, schrieb die Expertin in ihrer ersten Einschätzung. Das gelte zuvorderst für das Express-Geschäft. Das Unternehmen habe von günstigen Basiseffekten profitiert, es gebe aber auch Hinweise auf eine Markterholung.

Die Bonner hatten bereits vor knapp einem Monat Eckdaten vorgelegt, die von einem kräftigen Sprung des operativen Gewinns zeugten. In diesem Zuge wurde auch die Jahresprognose erhöht, die zur Wochenmitte bestätigt wurde.

Wie zudem bekannt wurde, erhielt die DHL im abgelaufenen Jahresviertel unter anderem Rückzahlungen im Zusammenhang mit den US-Zollmassnahmen. Dies beeinflusste den Barmittelfluss positiv, da der Grossteil der Zoll-Rückzahlungen den Aussagen von DHL-Finanzchefin Melanie Kreis zufolge erst in den letzten Juni-Tagen geflossen sei und die Weitergabe an die Kunden dementsprechend erst im dritten Quartal erfolgen könne.

Insgesamt lagen die freien Mittelzuflüsse mit 569 Millionen Euro mehr als 70 Prozent über dem Vorjahreswert und höher als von Analysten erwartet. Auch in den kommenden Quartalen erwartet DHL-Chef Tobias Meyer weitere Rückzahlungen. Netto handele es sich aber um einen durchlaufenden Posten.

Im Tagesgeschäft lief es für den Logistiker im Berichtszeitraum vor allem dank schwungvoller Geschäfte mit zeitkritischen Sendungen sowie Kosteneinsparungen überraschend gut. Laut Mitteilung von Mittwoch stieg der Umsatz im Vorjahresvergleich um 12,8 Prozent auf fast 22,4 Milliarden Euro. Auf die Aktionäre entfiel im zweiten Quartal mit rund 1 Milliarde Euro fast ein Viertel mehr Gewinn als im Vorjahr. Als operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben, wie bereits bekannt, mit fast 1,9 Milliarden Euro sogar 30 Prozent mehr übrig als ein Jahr zuvor.

Dabei punktete vor allem das margenstarke Express-Geschäft mit zeitkritischen Sendungen, wobei hier auch temporäre Effekte das Ergebniswachstum begünstigten. Auch in der Luft- und Seefracht verdiente die DHL mehr, dank einer höheren Menge an transportierten Waren.

Anders als in der Lieferkettenlogistik, wobei der operative Gewinn auch hier bereinigt um Zukauf-Effekte aus dem Vorjahreszeitraum gestiegen wäre. Ähnliches galt im internationalen Paketgeschäft, in der das Ergebnis darum bereinigt zumindest stabil gewesen wäre. Im deutschen Post- und Paketgeschäft ging es hingegen zurück, vor allem da sich der Trend rückläufiger Briefmengen aus den Vorquartalen fortsetzte.

Für das Gesamtjahr erwartet die DHL mittlerweile mehr als 6,5 Milliarden Euro operativen Gewinn. Zuvor standen über 6,2 Milliarden im Plan. Chef Meyer bezeichnete das Marktumfeld als volatil, wobei sich positive und negative Effekte seiner Einschätzung nach die Waage halten dürften: Das Wachstum vor allem in Europa sei weiterhin fragil und gering, die Konsumstimmung mau, führte der Manager aus. Andererseits erwartet er im zweiten Halbjahr Rückenwind etwa durch den momentan stark gefragten Aufbau von Datenzentren./lew/err/jha/

(AWP)