Israels Armee berichtete am Nachmittag, sie habe innerhalb von zehn Minuten in der libanesischen Hauptstadt Beirut, im Osten sowie im Süden des Nachbarlandes mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz ins Visier genommen worden. An dem Angriff seien rund 50 israelische Kampfjets beteiligt gewesen.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem «Überraschungsangriff», der Hunderte Hisbollah-Mitglieder getroffen habe. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hiess es, es habe mehr als 150 Angriffe gegeben, viele in Beirut. Auf Aufnahmen waren mehrere Rauchschwaden über Beirut zu sehen.
Augenzeugen berichteten von Chaos, Menschen rannten auf den Strassen, Kinder schrien. Viele Menschen aus der Hauptstadt Beirut machten sich demnach auf den Weg in den Norden. Krankenhäuser im Land riefen Menschen dazu auf, Blut zu spenden. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur meldete Chaos in den Kliniken in der Hauptstadt Beirut.
Dutzende Rettungswagen auf Libanons Strassen
Das libanesische Gesundheitsministerium rief die Bürger im Land angesichts von massiven Staus dazu auf, Wege für Rettungswagen freizumachen. Das Libanesische Rote Kreuz teilte mit, mehr als 100 Rettungswagen seien auf den Strassen unterwegs, um Verletzte in Krankenhäuser zu bringen.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Israels Angriffe hätten dicht besiedelte Wohngebiete getroffen und in mehreren Gebieten, insbesondere in Beirut, unbewaffnete Zivilisten getötet.
Israels Armee sagte, ein Grossteil der angegriffenen Hisbollah-Infrastruktur habe sich inmitten ziviler Wohngebiete befunden. Die Armee habe vor den Angriffen Schritte unternommen, um Unbeteiligte zu schonen. Der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani sagte am Nachmittag, die Hisbollah halte sich inzwischen in Gebieten im Libanon auf, die bislang nicht als ihre Hochburgen galten. «Das ist Teil ihrer Strategie.»
Die Angaben liessen sich zunächst allesamt nicht unabhängig überprüfen.
Katz: «schwerster konzentrierter Schlag» seit Pager-Explosionen
Der israelische Verteidigungsminister Katz sagte in einer von seinem Büro verbreiteten Videobotschaft, es habe sich um den «schwersten konzentrierten Schlag» gegen die Hisbollah seit dem September 2024 gehandelt. Damals waren zeitgleich Tausende tragbare Funkempfänger und Walkie-Talkies im Libanon explodiert, Dutzende Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Überwiegend handelte es sich um Mitglieder der Hisbollah-Miliz, aber es kamen auch Zivilisten zu Schaden./wh/DP/men
(AWP)
