Damit hat die hiesige Konjunktur an Schwung verloren. In den vergangenen zwei Jahren kletterte das BIP jeweils um 1,4 Prozent. Die Kriege im Mittleren Osten und in der Ukraine würden das Wachstum bremsen, schrieb der Wirtschaftsdachverband am Mittwoch in einem Communiqué.
Hohe Erdölpreise, steigende Transportkosten und erneute Lieferengpässe trieben die Preise vieler Produkte nach oben. Auch viele Dienstleistungen würden teurer, wenn auch abgeschwächt. So schlügen beispielsweise neue KI-Dienstleistungen auf, weil die Hardwarepreise und die Energiekosten stiegen, schrieb Economiesuisse: «Entsprechend nehmen die Inflationsraten in vielen Ländern wieder zu.»
Der Inflationsschub durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten dürfte zwar nicht gleich stark ausfallen wie nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. Denn viele Länder hätten ihre Abhängigkeit von Energie aus den Konfliktzonen etwas reduziert. Die Schweizer Wirtschaft sei ungefähr doppelt so energieeffizient wie die deutsche Industrie, sagte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch an einer Medienkonferenz in Zürich.
Je länger die Sperre, desto schlimmer
Dennoch sei die Richtung der Preisentwicklung vorgezeichnet: «Je länger die Probleme bei der Durchfahrt durch die Strasse von Hormus anhalten, desto stärker dürfte die Inflation angeheizt werden.» Je länger die Sperrung dauere, desto schlimmer sei die Lage, sagte Minsch. Besonders betroffen sei Asien, weil Länder wie Indien, die Philippinen und Indonesien in hohem Masse von Energie aus dem Kriegsgebiet abhängig seien.
Für die Schweiz sei im internationalen Vergleich weiterhin mit einer deutlich schwächeren Inflation zu rechnen. Der dämpfende Effekt des starken Frankens auf die importierte Inflation und die energieeffizienter gewordene Schweizer Wirtschaft führen dazu, dass die prozentualen Preisanstiege moderater ausfallen. Eine dämpfende Wirkung habe auch das bereits sehr hohe inländische Preisniveau von Energie oder Nahrungsmittel.
Economiesuisse rechnet mit einer Teuerung von 0,8 Prozent im laufenden Jahr. Im Dezember waren die Ökonomen noch von der Hälfte ausgegangen. Im nächsten Jahr dürfte die Inflation dann um 1,0 Prozent anziehen.
Beträchtlicher Dämpfer beim Export
Beim Export rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang um 0,5 Prozent in diesem Jahr. Schuld seien die Warenexporte, die nach dem «hervorragenden Vorjahr» um 2,5 Prozent tauchen dürften, sagte Minsch. Denn im Vorjahr seien viele Waren exportiert worden, weil die Uhrenindustrie und die Pharmabranche ihre Lager in den USA aufgefüllt hätten angesichts der Strafzölle von US-Präsident Donald Trump.
Dies werde sich jetzt im laufenden Jahr auswirken. Hinzu komme das allgemein schwierige Umfeld, sagte Minsch. So kämpfe die Uhrenindustrie mit Schwierigkeiten in Ostasien, inklusive China. Auch die Pharmabranche bekomme den Druck auf die Medikamentenpreise zu spüren, was auf die Exportvolumina schlage. Im nächsten Jahr dürften die Ausfuhren dann wieder leicht um 0,2 Prozent zulegen.
Die gleiche Entwicklung machen die Importe, die im laufenden Jahr um 0,2 Prozent sinken dürften. Immer wenn die Schweizer Firmen mehr exportieren würden, nähmen auch die Importe zu, und umgekehrt, sagte Minsch. Denn die Unternehmen benötigten viele Vorleistungen aus dem Ausland, um die Waren hierzulande herzustellen. Eine weitere Stütze der Importe sei die relativ stabile Schweizer Binnenwirtschaft, sagte Minsch.
Die gedämpften Konjunkturaussichten dürften laut den Economiesuisse-Ökonomen allerdings keine allzu grossen Folgen für den Schweizer Arbeitsmarkt haben. Die Arbeitslosenquote werde wohl nur geringfügig ansteigen von 2,8 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,1 Prozent im laufenden Jahr und auf 3,2 Prozent im nächsten Jahr, schätzt der Wirtschaftsdachverband.
jb/ra
(AWP)
