Horst Mahmoudi ist seit 2011 CEO und Executive Chairman der Smartenergy Group und wurde 2021 als VR-Präsident zu Edisun Power geholt. Er hat die beiden Firmen also seit Jahren parallel geführt und bringt sie nun formell zusammen.

Die Zusammenarbeit von Edisun Power und Smartenergy wird in eine gemeinsame Unternehmensstruktur überführt, teilte das SIX-kotierte Unternehmen am Donnerstag mit. Dabei wird Smartenergy faktisch zum Kern der neuen, grösseren Gruppe.

Rein technisch plant Edisun Power den Kauf der Geschäftstätigkeiten der Smartenergy Group, die in die bestehende Börsenstruktur eingebracht werden sollen. Im Gegenzug soll Smartenergy im Rahmen einer Kapitalerhöhung zur dominierenden Aktionärin aufsteigen.

Zu diesem Zweck schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 29. Mai eine Kapitalerhöhung von bis zu 440 Millionen Franken vor. Bestehende Aktionäre können an der Kapitalerhöhung nicht teilnehmen.

75 oder 55 Prozent

Offen ist noch, ob neben der Smartenergy Group auch ein externer Investor einsteigt, wie aus der Einladung zur Generalversammlung hervorgeht. Das würde die künftige Aktionärsstruktur massgeblich beeinflussen.

Ohne externen Investor würde die Smartenergy Group nach der Kapitalerhöhung rund 64 Prozent der Stimmen halten. Zusammen mit der bereits bestehenden Beteiligung der Smartenergy Invest AG - dem Vehikel von Verwaltungsratspräsident Mahmoudi - käme das Mahmoudi-Lager auf fast 75 Prozent.

Steigt hingegen ein externer Investor ein, der mindestens 138 Millionen Franken in bar einbringt, reduziert sich der Anteil der Smartenergy Group auf rund 44 Prozent. Kumuliert mit der Smartenergy Invest AG käme das Mahmoudi-Lager dann noch auf rund 55 Prozent.

Die bisherigen Publikumsaktionäre würden in beiden Szenarien auf einen Anteil von rund 25 Prozent verwässert. In beiden Fällen ist dabei die Ausübung einer Kaufoption der Smartenergy Invest AG auf 43'000 Aktien von Aktionär Kurt Kummer eingerechnet, die bis Ende September 2026 ausgeübt werden kann.

Da das Mahmoudi-Lager in beiden Szenarien die Schwelle von einem Drittel der Stimmrechte überschreitet, beantragt der Verwaltungsrat ein Opting-out.

Strategiewechsel und neuer Name

Mit der Transaktion vollzieht Edisun Power einen grundlegenden Strategiewechsel. Bisher hielt das Unternehmen ein Portfolio von 32 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von rund 105 Megawatt, vorwiegend in Südeuropa.

Künftig soll die Gruppe als Plattform für grüne Energielösungen in vier Bereichen auftreten: Stromversorgung für Rechenzentren, Photovoltaik mit Energiespeicher, synthetische Treibstoffe für die Luftfahrt sowie weitere Power-to-X-Anwendungen für schwer dekarbonisierbare Industrien.

Vorzeigeprojekt der neuen Ausrichtung ist «Fuencarral to AI» in der Region Madrid. Das ist eine Solaranlage mit 941 Megawatt Spitzenleistung, die ein Rechenzentrum mit 250 Megawatt IT-Kapazität versorgen soll. Die Bank ABN Amro koordiniert einen laufenden Auktionsprozess, um Investoren für das Milliardenprojekt zu gewinnen.

Mittelfristig zieht Edisun Power auch eine Zweitkotierung an der Börse in Abu Dhabi in Betracht, wo die Smartenergy Group seit 2022 präsent ist.

Wie weit die Transformation geht, zeigen zwei weitere Anträge an die Generalversammlung: Das Unternehmen soll in «Smartenergy AG» umbenannt und der Hauptsitz von Zürich nach Wollerau im Kanton Schwyz verlegt werden. Beide Änderungen sind allerdings an die Genehmigung des Opting-out und der Kapitalerhöhung geknüpft.

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(AWP)