Viele Schienenverbindungen und Strassen waren von Regen, Schnee und Glatteis betroffen, es gab zahlreiche Unfälle. In der Mitte Deutschlands blieben etliche Lkw im Schnee stecken und blockierten Autobahnen. Bis zum Abend erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD) weiter teils kräftige Schneefälle und schwierige Verkehrsverhältnisse. Für Samstag gab es eine erste Spielabsage in der Fussball-Bundesliga: Die geplante Partie des FC St. Pauli gegen RB Leipzig kann nach starkem Schneefall nicht stattfinden.
Deutsche Bahn stoppte Fernverkehr im Norden
Am Freitagmorgen stellte die Deutsche Bahn den gesamten Schienenverkehr im Grossraum Hannover ein. «Damit ist eines unserer wichtigsten Drehkreuze betroffen und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich», teilte die Bahn mit. Der Betriebsstopp sei nötig, um Fahrgäste, Mitarbeiter und Fahrzeuge zu schützen.
Fahrgäste mussten sich bis auf weiteres auf erhebliche Beeinträchtigungen im Fern- und Regionalverkehr der Bahn im Norden Deutschlands einstellen. Wie lange die Einschränkungen andauern, war zunächst unklar. Die Lage sei sehr dynamisch, eine seriöse Prognose nicht möglich, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.
Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag bundesweit Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr möglich sind. Reisenden wird empfohlen, Verbindungen vorher zu prüfen oder Reisen nach Möglichkeit zu verschieben. Der Konzern hat die Zugbindung für bereits gekaufte Tickets für Reisen zwischen dem 8. und dem 11. Januar aufgehoben. Diese Fahrkarten behalten auch in den Tagen danach ihre Gültigkeit und sind flexibel nutzbar.
Winterwetter sorgte für leere Klassenzimmer
Statt im Klassenzimmer lernten viele Kinder und Jugendliche am Freitag zu Hause. In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fiel der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Nach Angaben der zuständigen Behörden gab es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder. Grund für die Schliessung war meist, dass die Schulbusse nicht fuhren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden konnte.
Auch in Regionen in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fiel teils der Präsenzunterricht aus oder Eltern konnten ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts waren auch Kitas und Kindergärten betroffen.
Einige Städte und Gemeinden sperrten wegen der hohen Schneelast auf den Dächern ihre Sporthallen, etwa in Niedersachsen und in Berlin. Auch der Berliner Zoo und der Tierpark blieben geschlossen. «Die Sicherheit der Tiere und Gäste hat oberste Priorität», sagte eine Sprecherin. Auch in Chemnitz blieben der Tierpark sowie das Wildgatter Oberrabenstein zu.
Glatte Strassen und tödliche Unfälle
Von den Folgen des Winterwetters sind bundesweit auch viele Strassen und weitere Schienenverbindungen betroffen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor spiegelglatten und verschneiten Strassen in vielen Regionen. In etlichen Städten wurde der Busverkehr vorsichtshalber eingestellt.
In Bayern kam es zu zwei tödlichen Unfällen: Bei einem Frontalzusammenstoss zweier Autos in Niederbayern starben zwei Menschen. Wie ein Polizeisprecher sagte, war eines der Autos ins Schleudern geraten - vermutlich wegen des Winterwetters. In der Oberpfalz kam ein Autofahrer ums Leben, als sein Wagen von der Strasse abkam und gegen einen Baum prallte.
Auch rund um Hannover kam es in der Nacht und am frühen Morgen wetterbedingt zu einigen Unfällen. Bei Calw in Baden-Württemberg rutschte ein Linienbus einen Hang hinunter, dabei verletzten sich laut der örtlichen Polizei drei Menschen leicht.
Erhebliche Behinderungen gibt es auf mehreren Autobahnen: In Osthessen waren laut Polizeipräsidium drei Autobahnen in beide Richtungen blockiert, die A7, die A4 und die A5. Grund waren nach Angaben eines Sprechers festgefahrene und querstehende Lastwagen. «Das Problem ist der Schwerlastverkehr», sagte der Sprecher am Freitagmorgen. Lkw-Fahrer wurden aufgefordert, die Autobahnen zu verlassen und Rastplätze anzufahren.
Fährverkehr an Nordseeküste weitgehend eingestellt
Der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste kam weitgehend zum Stillstand. Mehrere Inseln waren bis zum Mittag nicht per Schiff erreichbar - darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge.
Am Flughafen Hannover kam es wegen des starken Schneefalls durch das Sturmtief «Elli» zu Flugausfällen. Indes lief der Flugbetrieb am grössten deutschen Flughafen in Frankfurt zunächst stabil. Die Wetterlage werde im Tagesverlauf weiter sorgfältig beobachtet, vor allem mit Blick auf den Wind, sagte eine Sprecherin. Auch am Münchner Flughafen lief der Flugverkehr weitestgehend planmässig.
Das Sturmtief bremste bei VW nun auch in Wolfsburg die Produktion: Weil wegen verschneiter Strassen nicht genug Teile von den Zulieferern ankommen, wurde im Stammwerk eine der drei geplanten Spätschichten abgesagt. In Emden hatte VW die Produktion bereits vorsorglich für Freitag gestoppt.
Wie geht es mit Sturmtief «Elli» weiter?
Über die Auswirkungen des Sturmtiefs hatte DWD-Meteorologe David Menzel am Morgen gesagt: «Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall. Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das grosse Ganze betrachtet - nichts sonderlich Aussergewöhnliches.»
Am Wochenende soll sich Sturmtief «Elli» langsam auflösen. Am Samstag schneit es - diesmal eher im Süden als im Norden. Vor allem in den Staulagen der Mittelgebirge und im Allgäu schneit es laut DWD dann teils heftig, mehr als 30 Zentimeter Neuschnee sind drin. Auch in tieferen Lagen können zehn Zentimeter zusammenkommen.
«Im Norden und Osten kehrt, abgesehen von vereinzelten Schneeschauern, Ruhe ein», so der Meteorologe. Positive Temperaturen werden nur noch südlich des Mains gemessen, aber auch dort fallen die Temperaturen im Tagesverlauf in den Frostbereich. «In der Nacht wird es knackig kalt.» Wo Schnee liegt, rechnet der DWD mit minus zehn Grad. Am Sonntag erwartet der Wetterdienst «einen Wintertag wie aus dem Bilderbuch».
Doch am Montag droht schon neuer Ärger. «Zum Start in die neue Woche droht dann aus Westen neues Ungemach in Form von gefrierendem Regen», sagt der DWD voraus. «Im Anschluss deutet sich dann eine Milderung an, wobei abgewartet werden muss, wie weit diese nach Nordosten vorankommt.»/slb/DP/nas
(AWP)
