Die Weltwirtschaft kühlt sich ab. Gleichzeitig trüben eine hohe Inflation und mangelndes Vertrauen die Kauflaune der Konsumenten. Das bekam auch die Ems zu spüren, die im ersten Halbjahr 2023 mit 1,18 Milliarden Franken deutliche 7,9 Prozent weniger umsetzte.
Ohne die Frankenstärke wäre der Umsatz aber nur um 1,9 Prozent gesunken, betonte Firmenchefin Magdalena Martullo am Freitag vor den Medien. Der starke Franken schlug sich aber vor allem in den Gewinnzahlen nieder, entfällt doch mehr als die Hälfte der Produktion auf die Schweiz.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank in der Folge mit minus 13,5 Prozent auf 280 Millionen Franken stärker als der Umsatz. Und die entsprechende Marge schrumpfte um 1,5 Prozentpunkte auf 23,7 Prozent. Die Profitabilität bleibt aber sehr hoch - höher auch als bei den meisten Kunden.
Strohfeuer bei Autobauern
"Bis auf die Autobauer platzierten alle Industriekunden viel tiefere Bestellungen", liess Martullo das erste Halbjahr Revue passieren. Einzig bei VW, BMW und Co, seien in diesem Halbjahr 10 Prozent mehr Autos vom Band gerollt. Das ist gut für die Ems, generiert diese doch 6 von 10 Umsatzfranken mit den Autoherstellern.
Doch die starken Autoverkäufe seien zu relativieren. "Es wurden lediglich die während Corona und der Chipkrise aufgestauten Aufträge abgearbeitet", sagte Martullo. Und auch hier wende sich das Blatt: Laut Martullo haben auch die Autobauer zuletzt weniger neue Bestellungen erhalten.
Erfolgreiche Vorwärtsstrategie
Wegfallende Geschäfte kompensiert die Firma der SVP-Nationalrätin seit Jahren erfolgreich mit Neugeschäften. Die Ems-Techniker suchen laufend nach Möglichkeiten, bei einem Kunden ein Produkt durch eigene Polymere zu ersetzen. Das klassische Beispiel sind Metallersatzteile, die Autos leichter machen und so Emissionen reduzieren.
Nicht zuletzt dank dieser "Vorwärtsstrategie" schnitt die Ems in ihrem Hauptgeschäft mit Hochleistungspolymeren, es bestreitet rund 90 Prozent des Umsatzes, vergleichsweise gut ab. Um den Frankeneffekt bereinigt, stieg der Umsatz in diesem Bereich um 0,5 Prozent.
Unter der gedrückten Konsumentenstimmung litt dafür der Nebenbereich der Spezialchemikalien besonders deutlich. Die hauptsächlich in Europa tätige Sparte verzeichnete einen Umsatzrückgang in lokalen Währungen von 21,3 Prozent.
Tiefere Prognosen
"Wir hatten erwartet, dass sich die chinesische Wirtschaft erholt und aufblüht", sagte Martullo weiter. Dieser Aufschwung trat aber nicht ein. "Wir hatten die Konjunktur etwas optimistischer eingeschätzt", sagte sie.
In der Summe rechnet Ems mit einer sich weiter verschlechternden weltwirtschaftlichen Entwicklung. Daher erwartet die Gruppe für 2023 neu einen Nettoumsatz und ein Betriebsergebnis unter Vorjahr. Bisher hatte die Gesellschaft Werte in Aussicht gestellt, die nur "leicht" zurückgehen.
Massiv auf dem Vormarsch ist aber der chinesische Elektroautomarkt. In dem Land werde bereits die Hälfte der weltweit produzierten E-Autos hergestellt. Um an diesem Wachstum teilhaben zu können, will Martullo die Verkaufscrew in China verdoppeln - auch hier also eine Vorwärtsstrategie.
ra/tp