Allein an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München musste Deutschlands grösste Fluggesellschaft für Dienstag mehr als 900 Starts und Landungen absagen. Starts des am Montag erstmals bestreikten Lufthansa-Ferienfliegers Eurowings fanden hingegen in Berlin, Düsseldorf und weiteren Flughäfen wieder planmässig statt. Im Streit um die Betriebsrenten der Piloten wurde auch die Lufthansa Cargo bestreikt.
Fünfte Streikwelle zum Festakt
Mit der fünften Streikwelle des fliegenden Personals ab Mittwoch wird auch der für diesen Tag geplante Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa überschattet. Die Gewerkschaften planen eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen. Zu der Lufthansa-Veranstaltung im neuen Besucherzentrum des Unternehmens werden unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz und Verkehrsminister Patrick Schnieder (beide CDU) erwartet.
Zwischen den Tarifparteien sind die Fronten weiterhin verhärtet. Während die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit Angebote zu den strittigen Fragen um Betriebsrenten und Einkommen verlangt, lehnt das Management jedwede Kostensteigerungen bei der ertragsschwachen Kern-Airline ab. Jeder Streik verkleinere die betroffene Fluggesellschaft, hatte Personalchef Michael Niggemann gewarnt.
Ähnlich ist die Situation bei der Kabinengewerkschaft Ufo, die für bessere Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag streikt und für die Beschäftigten der Cityline einen Sozialplan erreichen will. In einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag) hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr klargemacht, dass Vorstand und Aufsichtsrat an der beschlossenen Strategie festhalten: «Wir operieren Flugzeuge ausschliesslich dort, wo sie Wert generieren.»
Tourismusbranche beklagt Millionenkosten
Kritik am Kurs der Gewerkschaften kam auch vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). «Solche Streiktiraden, wie derzeit im Luftverkehr, verursachen Schaden in Millionenhöhe in der Tourismuswirtschaft», sagte Präsident Sören Hartmann. «Ganz zu schweigen vom Imageschaden für den Standort Deutschland in der Welt.» Abgesagte Hotelaufenthalte, Kreuzfahrten, die nicht angetreten werden könnten oder Pauschalreisen, die umgebucht werden müssten, führten zu starkem Mehraufwand in den Betrieben.
Zwar sei das Streikrecht ein hohes Gut, sagte Hartmann. «Dennoch darf dieses niemals inflationär von den Gewerkschaften genutzt werden.» Die Tourismuswirtschaft sei durch die vielen Krisen, besonders den Iran-Krieg, stark unter Druck. Die Streiks von Ufo und Vereinigung Cockpit seien unverhältnismässig./ceb/DP/jha
(AWP)

