Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran stütze den Dax, sagte Timo Emden von Emden Research. «Anleger setzen darauf, dass es noch vor Ablauf der Waffenruhe am Mittwoch zu Gesprächen zwischen beiden Seiten kommen könnte.»
Auch am Rohölmarkt sorgten Spekulationen auf Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran für Entspannung. Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich jeweils um ein Prozent auf 94,68 und 88,55 Dollar je Barrel. Anleger hofften, dass die Gespräche in dieser Woche stattfinden und zu einem grösseren Angebot aus der wichtigen Förderregion im Nahen Osten führen werden. Zum Wochenauftakt hatten die Ölpreise noch um rund sechs Prozent zugelegt, nachdem der Iran die Strasse von Hormus erneut geschlossen und die USA im Rahmen ihrer Blockade der iranischen Häfen ein iranisches Frachtschiff beschlagnahmt hatten.
Börsianer erwarteten, dass vor dem Auslaufen des Waffenstillstands zumindest eine Verlängerung zwischen den USA und dem Iran erreicht werde, sagte Analyst Tamas Varga von PVM Oil Associates. «Wir gehen weiterhin davon aus, dass diese Woche eine Absichtserklärung unterzeichnet und/oder die Waffenruhe verlängert wird, die sich möglicherweise zu einem umfassenderen Abkommen entwickelt», teilten auch die Analysten von Citi mit. «Sollten die Verhandlungen diese Woche jedoch scheitern, sind wir darauf vorbereitet, uns auf ein Szenario mit längerfristigen Störungen einzustellen.»
Experten immer pessimistischer für deutsche Wirtschaft
Unterdessen zog die Konjunktur-Skepsis der Börsenprofis wegen des Iran-Kriegs deutlich stärker an als erwartet, wie aus der monatlichen Umfrage unter Investoren und Analysten des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervorging. Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate sank im April um 16,7 Punkte auf minus 17,2 Zähler. Von der Agentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf minus 5,0 Punkte erwartet. «Eine schwere Ölkrise bleibt das Horrorszenario, trotz aller Hoffnungen auf eine Konfliktbeilegung», sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank.
Unter den Sektoren verbuchte der Technologiesektor mit einem Zuwachs von gut einem Prozent die grössten Gewinne. «Einmal mehr sorgen die Technologiewerte für gute und hoffnungsvolle Stimmung am Aktienmarkt», sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Broker CMC Markets.
Bei den Einzelwerten gehörte der Chip-Anlagenbauer Aixtron mit einem Plus von fünf Prozent zu den grössten Gewinnern. Dagegen gaben Beiersdorf-Aktien zeitweise mehr als drei Prozent nach. Der Nivea-Hersteller ist wegen einer schwachen Entwicklung seiner Hauptmarke und des Luxusgeschäfts mit einem Umsatzrückgang ins Jahr gestartet. Die Aktie sei zwar günstig bewertet, habe jedoch eines der schwächsten organischen Wachstumsprofile im Sektor ausserhalb von Rezessionen geliefert, konstatierten Analysten der Deutschen Bank.
(Reuters)

