«Die Raumfahrt verzeiht keinen einzigen Fehler», bedauerte Nasa-Chef Jared Isaacman auf der Plattform X. Er kündigte eine «gründliche Untersuchung dieser Anomalie» an. Der Zwischenfall ereignete sich bei einem Bodentest und forderte keine Verletzten.
Gegen 21.00 Uhr Ortszeit geriet die knapp 100 Meter hohe Rakete, die leistungsstärkste von Blue Origin, auf dem Raumfahrtstützpunkt Cape Canaveral Space Force Station in Florida während eines Triebwerkstests in Brand. Die spektakulären Bilder eines gewaltigen Feuerballs am Nachthimmel verbreiteten sich rasch und sorgten in der Raumfahrtbranche für Aufsehen.
Zwar kommen Probleme bei Tests vor Starts vergleichsweise häufig vor. Explosionen dieser Grössenordnung sind jedoch selten. Spezialmedien veröffentlichten am Freitag Fotos, die auf erhebliche Schäden an der Startrampe hindeuten.
Ziel Mond
Dabei handelt es sich um die derzeit einzige Startrampe des Unternehmens für die neue Rakete New Glenn, die im Zentrum der Unternehmensstrategie von Blue Origin sowie des Mondprogramms Artemis der Nasa steht.
«Der Wiederaufbau der Startrampe wird einige Zeit in Anspruch nehmen», sagte der Kongressabgeordnete Mike Haridopolos, zu dessen Wahlkreis Cape Canaveral gehört, dem Sender Fox News. Er zeigte sich jedoch optimistisch.
«Ich habe keinen Zweifel, dass sich Blue Origin davon erholen wird. Ich frage mich aber, welche Folgen das für Artemis haben wird», sagte Clayton Swope vom Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) der Nachrichtenagentur AFP.
Die Nasa beauftragte Blue Origin und den Konkurrenten SpaceX mit der Entwicklung von Mondlandefähren für Astronauten und Material zum Aufbau einer Basis auf dem Mond.
Angesichts der Entwicklungsverzögerungen bei SpaceX galt Blue Origin zuletzt als vielversprechende Alternative. Das Unternehmen erhielt erst diese Woche einen neuen Auftrag für eine Mondmission.
Enger Zeitplan
Diese Projekte hängen jedoch von der Rakete New Glenn ab. Deren Explosion - nach einer ersten Fehlfunktion bei einem kommerziellen Flug im April, die zur Zerstörung eines Kommunikationssatelliten führte - könnte den ohnehin engen Zeitplan der Nasa gefährden.
Nach jahrelangen Verzögerungen beim Mondprogramm setzt die US-Regierung alles daran, noch vor Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump und vor China wieder Menschen auf den Mond zu bringen.
Geplant ist dafür 2027 die Mission Artemis III als Testflug in Erdnähe mit einer oder zwei Mondlandefähren.
Offen ist nun, ob die Nasa auf eine Erholung von Blue Origin warten wird, nach Alternativen sucht oder ausschliesslich auf SpaceX setzt.
Diese Fragen sind umso wichtiger, als auch bei SpaceX unklar ist, ob die Mondlandefähre rechtzeitig einsatzbereit sein wird, sagte Swope.
Amazon Leo
Der Vorfall trifft zudem ein weiteres Projekt von Bezos: die Satellitenkonstellation Amazon Leo, die mit Starlink von Elon Musk konkurrieren soll und teilweise auf New Glenn für Satellitenstarts angewiesen ist.
Vor zehn Jahren erschütterte ein ähnlicher Vorfall Cape Canaveral. Damals explodierte eine Rakete vom Typ Falcon 9 von SpaceX während eines Bodentests. Dabei wurde ein 200 Millionen Dollar teurer Satellit zerstört und die Startrampe schwer beschädigt.
Blue Origin, das für einen vorsichtigeren technischen Ansatz als SpaceX bekannt ist und nun erstmals einen Rückschlag dieser Grössenordnung erlebt, wollte auf Anfrage der AFP keine weiteren Angaben zum Vorfall, den Schäden oder den laufenden Untersuchungen machen.
(AWP)
