Die Nachfrage nach Firmenkrediten hat sich einer EZB-Umfrage zufolge im Zuge der Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation im Euroraum erheblich abgeschwächt. Banken berichteten über einen starken Rückgang der Nachfrage nach Unternehmenskrediten im zweiten Quartal, wie die am Dienstag veröffentlichte Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) ergab. Die Nachfrage sei auf ein Allzeittief seit Beginn der turnusmässigen Umfrage im Jahr 2003 gesunken. "Steigende Zinssätze und ein geringerer Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen waren die Hauptgründe für den Rückgang der Kreditnachfrage", erläuterte die Notenbank. Für den Zeitraum Juli bis September werde mit einer weiteren Nachfrageabschwächung gerechnet. Diese werde aber voraussichtlich viel geringer ausfallen als im zweiten Quartal.

Der Umfrage zufolge verschärften die Institute zudem im Zeitraum April bis Juni ihre Standards für die Ausreichung von Krediten an Unternehmen. Unter anderem eine stärkere Wahrnehmung von Risiken mit Blick auf die Konjunkturaussichten zähle zu den Gründen. Für das dritte Quartal gingen die Finanzinstitute von einer weiteren Verschärfung ihrer Vergabestandards aus, die dann allerdings etwas moderater ausfallen werde.

Die EZB hat im Kampf gegen die Inflation im Euroraum seit Sommer 2022 die Zinsen inzwischen bereits acht Mal in Folge angehoben - zuletzt im Juni um 0,25 Prozentpunkte. Die nächste Zinssitzung der Währungshüter findet bereits in zwei Tagen an diesem Donnerstag in Frankfurt statt. Volkswirte rechnen mit einer weiteren Erhöhung um erneut einen viertel Prozentpunkt. Die vier Mal im Jahr aufgelegte Kreditumfrage der EZB unter Banken, der sogenannte Bank Lending Survey (BLS), fliesst als wichtiger Entscheidungsfaktor in die geldpolitischen Überlegungen ein. Diesmal fand die Erhebung zwischen dem 19. Juni und dem 4. Juli statt. Teilgenommen haben 158 Geldhäuser.

(Reuters)