Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Personalberatungsfirma Michael Page wandelt sich der Rekrutierungsprozess durch KI rasant. Für die Analyse hat der Personalberater weltweit über 60'000 Fachkräfte befragt, darunter 1220 in der Schweiz.
Das Resultat: In der Schweiz geben 86 Prozent der Jobsuchenden an, KI zu nutzen, um Texte zu verbessern, Lebensläufe anzupassen und Kompetenzen zusammenzufassen. Laut den Angaben sind das deutlich mehr als im globalen Durchschnitt (71 Prozent) sowie in Europa insgesamt (67 Prozent).
Während die Bewerbungen also immer geschliffener daherkommen, haben auch die Rekrutierungsspezialisten ihre Prozesse angepasst. Unternehmen experimentieren etwa mit KI-Tools, um die Vorauswahl zu beschleunigen und die Bewertung der Dossiers zu verbessern.
Konkret nutzen 69 Prozent der Arbeitgeber KI in der Rekrutierung. Genutzt wird diese auch, um Stellenanzeigen zu überarbeiten oder Interviewfragen zu formulieren.
Vor diesem Hintergrund entsteht laut Michael Page «ein zunehmend beschleunigtes, überfülltes und uneinheitliches Rekrutierungsumfeld». Wenn optimierte Lebensläufe zum Standard würden, werde es für Bewerbende zunehmend schwieriger, aus der Masse herauszustechen. Gleichzeitig hätten die Unternehmen Mühe, Unterschiede zwischen Kandidaten klar zu erkennen.
Fokus verschiebt sich auf Fähigkeiten
Für Stellensuchende gibt es aber auch positive Folgen: Durch eintönigere Bewerbungen rücken laut den Personalexperten die «tatsächlichen Fähigkeiten» in den Vordergrund. Zentral seien dabei «Stärken, die KI nicht überzeugend nachahmen kann».
Konkret schlagen die Studienautoren vor, in Bewerbungsgesprächen auf kurze Aufgaben und Szenario-Lösungen zu setzen. Dadurch werde deutlich, «wie Prioritäten gesetzt, Abwägungen getroffen und Situationen unter Druck gemeistert werden», sagt Yannick Coulange, Managing Director von Page Group Schweiz. Als Folge von KI könnte der Bewerbungsprozess potenziell also auch fairer werden.
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(AWP)
