«Fresenius hat erneut ein ausgezeichnetes Quartal geliefert und erhöht vor dem Hintergrund der nachhaltigen operativen Stärke den Ausblick für das Gesamtjahr», wurde Sen in der Mitteilung vom Dienstagabend zitiert. Das um Sondereffekte bereinigte Kern-Ergebnis je Aktie soll zu konstanten Wechselkursen nun um 10 bis 15 Prozent steigen. Bislang wurden 5 bis 10 Prozent erwartet. Auch für die Tochter Kabi wurden die Südhessen optimistischer: Sie soll nun eine operative Marge am oberen Ende ihrer Zielspanne erreichen.

Die Umsatzprognose bestätigte der Konzern. Demnach soll der Erlös von Fresenius organisch - also ohne Währungs- und Portfolioeffekte - um vier bis sieben Prozent wachsen.

Im zweiten Quartal legte der Umsatz im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 5,86 Milliarden Euro zu, organisch betrug das Plus sechs Prozent. Wichtigster Treiber bei Kabi waren neuere Produkte wie Tyenne, ein Biosimilar zum Rheuma-Medikament Tocilizumab, das in den USA und Europa stark angelaufen sei. Zweistellig wuchs auch die Medizintechnik. Zudem stehen mehrere Produkte aus der klinischen Ernährung vor dem Marktstart. Die Kliniken von Helios und der spanischen Tochter Quironsalud steigerten ihren Umsatz dank höherer Fallzahlen und positiver Preiseffekte ebenfalls.

Konzernweit stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) währungsbereinigt um zehn Prozent auf 719 Millionen Euro. Die starke operative Entwicklung bei Kabi und Helios sowie ein verbessertes Zinsergebnis hätten die Ergebnisentwicklung gestützt, hiess es. Unter dem Strich verdiente Fresenius unter Ausklammerung seiner Beteiligung am Dialysekonzern Fresenius Medical Care 470 Millionen Euro, nach 412 Millionen ein Jahr zuvor.

Fresenius habe die durchschnittlichen Analystenschätzungen für das operative Ergebnis und den Nettogewinn übertroffen, schrieb JPMorgan-Analyst David Adlington. Nach der Prognoseanhebung könnten die Markterwartungen nun leicht steigen. Die Aktie werde derzeit mit einem Abschlag gehandelt und könnte davon profitieren, so der Experte.

Das Fresenius-Papier hatte in diesem Jahr unter Sorgen über mögliche Folgen des GKV-Stabilisierungsgesetzes gelitten, das unter anderem die Vergütungen im Krankenhausbereich begrenzt. Anfang Juni war die Aktie auf ein Jahrestief bei rund 35 Euro gefallen, von dem sich das Papier aber binnen eines Monats um fast 30 Prozent erholt hat.

Sen trat den Befürchtungen um die Gesundheitsreform nun entgegen: «Das verabschiedete Gesetz schafft einen konstruktiven Rahmen für ein anhaltendes Wachstum der Erstattung.» Helios Deutschland sei dank Digitalisierung und seiner Clustering-Strategie gut positioniert und halte daher an seinen Umsatz- und Margenzielen fest.

Der seit Oktober 2022 amtierende Fresenius-Chef hat den Dax-Konzern grundlegend umgebaut. Als Kerngeschäfte blieben Helios sowie die auf klinische Ernährung, Biosimilars und Medizintechnik spezialisierte Tochter Kabi. Randaktivitäten wurden verkauft, die Verflechtung mit dem Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) weitgehend gelöst sowie ein Produktivitätsprogramm umgesetzt. Sen sieht darin die Grundlage für eine strukturell verbesserte Ergebnisqualität mit höherer Ertragskraft, Kapitalrendite und Cashflow, wie er laut Mitteilung sagte./tav/mis/jha/

(AWP)