DAS ERSTE QUARTAL: Novartis hat am Dienstag mit den Zahlen für das erste Quartal schlechter als erwartet abgeschnitten. Der Umsatz lag mit 13,1 Milliarden US-Dollar rund 1 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) ergab sich ein Minus von 5 Prozent. Noch deutlicher sackte der operative Gewinn ab. Er fiel um 9 Prozent auf 4,2 Milliarden. Unter dem Strich resultierte ein Konzerngewinn von 3,2 Milliarden nach 3,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum. «Die Markt-Prognosen für die ersten 3 Monate waren zu optimistisch», hielt der Konzern-Chef im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP fest.
GENERIKA: Seit dem vergangenen Jahr leidet der Konzern unter den Patentabläufen einiger Medikamente in den USA - darunter das Multi-Milliarden-Herzmittel Entresto. So brachen die Einnahmen in den USA um 42 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar ein. Auch Promacta (-66 Prozent auf 184 Millionen) und Tasigna (-59 Prozent auf 155 Millionen) verzeichneten markante Einbussen. Insgesamt wirkten sich diese negativen Effekte mit minus 14 Prozentpunkten auf das Wachstum aus.
In Europa werden die ersten Generika erst im Laufe des zweiten Semesters erwartet. Daher fielen auch die regionalen Umsätze unterschiedlich aus: Einem Umsatzrückgang um 13 Prozent in den USA stand ein Wachstum um 7 Prozent in Europa gegenüber. Auf das ganze Jahr betrachtet wiederholte das Management frühere Aussagen, wonach insgesamt etwa 4 Milliarden Dollar an Umsätzen durch die Nachahmer wegfallen könnten.
ZUKUNFTSAUSSICHTEN: Trotz dieser ernüchternden Entwicklung bleibt das Management bei seiner bisherigen Prognose. So soll der Umsatz im niedrigen einstelligen Bereich wachsen und der operative Kerngewinn im gleichen Ausmass sinken.
«In der zweiten Jahreshälfte werden wir wieder wachsen», zeigte sich CEO Narasimhan überzeugt. Er begründete dies unter anderem mit den neueren, bereits zugelassenen Mitteln, die im ersten Quartal zum Teil sehr dynamisch gewachsen seien. Ausserdem stünden zahlreiche Pipeline-Daten an, die weiteres Wachstum sicherten. «Entscheidend ist nicht der kurzfristige Einfluss von Generika, sondern die Stärke der Innovationspipeline», betonte Narasimhan. Daher schliesst der Unternehmens-Chef eine Erhöhung der Mittelfristziele ab dem dritten Quartal nicht aus.
PREISDISKUSSION: Seit US-Präsident Donald Trump mit seiner «Most Favored Nation»-Politik (MFN) fordert, dass die USA nicht mehr Geld für Medikamente bezahlen als andere Länder, ist eine anhaltende Diskussion um die künftige Vergütung von Pharma-Innovation in anderen Teilen der Welt entbrannt. Narasimhan warnte erneut, dass sich die Markteinführung neuer Medikamente in Regionen wie Europa verzögern könnte, sollten die Regierungen nicht an ihrer Preispolitik arbeiten. Es brauche dringend koordinierte Lösungen zwischen Regierungen und der Industrie. Die Pharmabranche fordert schon länger, dass die Medikamentenpreise steigen sollen.
REAKTIONEN: Die Aktien sackten am Dienstag an der Börse zunächst stark ab, und es ging im frühen Handel bis auf 108,24 Franken abwärts. Im Tagesverlauf beruhigten sich die Gemüter aber wieder etwas, und am Ende schlossen die Papiere sogar im Plus um 0,6 Prozent bei 114,72 Franken. Die meisten Analysten zeigten sich von dem stark negativen Generika-Einfluss überrascht, lenkten aber gleichzeitig den Blick auf wichtige Pipeline-Daten in den kommenden Monaten. Diese könnten die weitere Richtung dann massgeblich positiv beeinflussen.
hr/to
(AWP)
