Belastend wirkte im Mai vor allem die Energieproduktion, die um 7,0 Prozent sank. Die Aktivität am Bau fiel ebenfalls schwächer aus als im April. Dagegen stieg die Herstellung industrieller Waren leicht an. Auch innerhalb der Industrie fiel die Entwicklung durchwachsen aus: Während deutlich mehr Investitionsgüter produziert wurden, ging die Herstellung von Konsum- und Vorleistungsgütern zurück.

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin sprach von einer Stabilisierung. Trotz der eingetrübten Stimmung in den Unternehmen deute die jüngste Stabilisierung der Nachfrage auf eine - wenn auch zunächst moderate - Erholung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin. Am Donnerstag hatten Auftragszahlen aus der Industrie positiv überrascht und auf etwas bessere Produktionszahlen hoffen lassen.

Bankvolkswirte gaben sich etwas weniger zuversichtlich als das Wirtschaftsministerium. "Nach den gestrigen sehr guten Zahlen zum Auftragseingang heute wieder die Ernüchterung", kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Es lässt sich nicht leugnen, dass der Konjunkturmotor weiterhin untertourig läuft. Vielleicht sehen wir im zweiten Quartal gerade noch eine Stagnation, viel eher aber einen erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung."

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski erklärte, die deutsche Industrie stecke immer noch in der Stagnation und brauche dringend einen Aktivitätsschub, um eine Fortsetzung der Rezession zu vermeiden. Die deutsche Wirtschaft war im Winterhalbjahr geschrumpft und hat sich damit unter den grossen Volkswirtschaften der Eurozone am schwächsten entwickelt. Viele Fachleute rechnen für die zweite Jahreshälfte mit anhaltenden konjunkturellen Problemen./bgf/jkr/stk