Glencore führe vorläufige Gespräche über einen Zusammenschluss mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto, bestätigte das Zuger Unternehmen am Donnerstagabend in einem Communiqué als Reaktion auf entsprechende Medienberichte. Zuvor hatte die britische Wirtschaftszeitung «Financial Times» über die Gespräche berichtet.
Nun könnte es zu einem Zusammenschluss von einzelnen oder allen Geschäften der beiden Unternehmen kommen. Beide Firmen hätten die Erwartung, dass bei einer Fusion Rio Tinto das Schweizer Unternehmen kaufen würde, hiess es. Es gebe aber keine Sicherheit, dass man sich auf eine Transaktion einigen könne. Die Gespräche befänden sich noch in einem vorläufigen Stadium, erklärte Glencore.
Rio Tinto hat nun gemäss den britischen Übernahmeregeln Zeit bis zum 5. Februar, um 17 Uhr, die Absicht für ein Kaufangebot bekannt zu geben, oder anzukündigen, dass Rio Tinto kein Interesse habe, hiess es weiter.
Weltgrösster Rohstoffkonzern
Ein Deal könnte den weltgrössten Rohstoffkonzern mit einem Unternehmenswert inklusive Schulden von mehr als 260 Milliarden US-Dollar schaffen. Die Aktien von Glencore zogen nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate deutlich um mehr als 7 Prozent an, Rio Tinto gewannen 1 Prozent.
Weltweit bewegen sich viele Rohstoffpreise, insbesondere diejenigen von Metallen wie Gold, Silber und dem Industriemetall Kupfer, auf Rekordniveau. Vor allem die Jagd auf Kupfer krempelt derzeit die Branche um. In dieser Woche stieg der Kupferpreis bei über 13'300 US-Dollar je Tonne auf ein Rekordhoch. Laut Analysten droht in den kommenden Jahren bis 2040 eine spürbare Knappheit bei dem Metall.
Laut Beobachtern stieg zuletzt der Druck in der Branche, über Zusammenschlüsse Grössenvorteile zu suchen. Rivale Anglo American übernahm im Herbst den Konzern Teck Resources. Zwischenzeitlich hatte zudem Konkurrent BHP Interesse an einer Übernahme von Anglo gezeigt, war damit aber wiederholt abgeblitzt. Dies setzt Glencore und Rio Tinto unter Zugzwang.
Glencore will expandieren
Glencore hatte zuletzt angekündigt, das Kupfergeschäft stark ausbauen zu wollen. Mitte Dezember hatte der Konzern ein Kupfervorkommen in Peru gekauft. Bis 2029 strebt Glencore eine jährliche Produktion von rund 1,1 Million Tonnen an, nachdem die Förderung im Jahr 2024 auf 0,95 Millionen Tonnen gefallen war.
Der Kupferanteil am industriellen Betriebsgewinn EBITDA der Gruppe dürfte damit deutlich steigen, schätzt der Analyst der Deutschen Bank. Bis 2035 will Glencore etwa 1,6 Millionen Tonnen Kupfer fördern, womit die Firma einer der grössten Kupferproduzenten der Welt wäre.
Auch wenn Glencore und Rio Tinto beide grosse Kupferminen haben, so machen sie auch bedeutende Geschäfte in anderen Bergbaubereichen. Rio Tinto hat ein grosses Eisenerzgeschäft, während Glencore noch stark im Geschäft mit Kohle engagiert ist. Analysten betrachten das Kohlegeschäft allerdings als einen Belastungsfaktor für das Zuger Unternehmen.
(AWP)

