Allerdings war der Goldpreis bereits am Nachmittag stärker unter Druck geraten, sodass der Kurs am frühen Abend rund 2,4 Prozent unter dem Niveau vom Dienstagabend lag. Zwischenzeitlich war der Goldpreis bis auf 4.834 Dollar gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar.

Damit zeigt sich weiter keine stärkere Nachfrage nach Gold durch den Krieg im Nahen Osten - im Gegenteil. Nachdem der Goldpreis nur zu Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran Ende Februar zeitweise bis auf mehr als 5.400 Dollar gestiegen war, ist die Notierung in den vergangenen beiden Wochen mehrfach deutlich unter Druck geraten.

«Der Goldpreis tut sich schwer, seiner Rolle als sicherer Hafen in Krisenzeiten gerecht zu werden», kommentierte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank in einer jüngst veröffentlichten Studie. Einen Grund sieht Fritsch beim Kurs des US-Dollar, der seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen ist. Da Gold auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, macht eine stärkere US-Währung das Edelmetall teurer, was die Nachfrage bremst.

Hinzu kommt, dass die Erwartungen an Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed zuletzt gesunken sind. Mittlerweile rechnen die Finanzmärkte wegen der gestiegenen Inflationserwartungen infolge hoher Ölpreise nur noch mit einer Zinssenkung in diesem Jahr, nachdem vor dem Iran-Krieg noch zwei Zinsschritte erwartet worden waren.

Am Mittwoch trat die US-Notenbank angesichts von Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs auf die Bremse. Die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates stimmte dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Und es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass die Fed den Zins nicht anrührt: Denn die Aussicht auf ein Anziehen der Teuerungsrate lässt Zinssenkungen in diesem Jahr in weite Ferne rücken.

Die Erwartung, dass Zinsen zum Beispiel für Staatsanleihen höher als bisher gedacht ausfallen können, macht sie attraktiver im Vergleich zum Gold. Trotz der Verluste in den vergangenen Tagen kostet Gold noch immer mehr als Ende 2025 - und das, nachdem der Goldpreis bereits im vergangenen Jahr deutlich zugelegt hatte./zb/jsl

(AWP)