Einer der grössten Aktionäre von Delivery Hero fordert einen Rückzug des Essens-Lieferdienstes aus ganzen Regionen und droht dem Vorstand um Firmengründer Niklas Östberg andernfalls mit Konsequenzen.
Der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex Management, der 9,2 Prozent an Delivery Hero hält, fordert in einem der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorliegenden Brief an das Management eine «rasche glaubwürdige strategische Neuausrichtung, die Wert schafft». Delivery Hero habe es nicht geschafft, sich den veränderten Branchentrends anzupassen. Ein Rückzug aus nur wenigen der 68 Länder, in denen Delivery Hero aktiv ist, oder der Verkauf von Minderheitsanteilen wäre dabei «kein glaubwürdiges oder akzeptables Ergebnis» der Überprüfung.
Aspex wollte sich zu dem Brief nicht weiter äussern. Von Delivery Hero war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Östberg hatte schon im Dezember eine «Prüfung strategischer Optionen» angekündigt, etwa strategische Partnerschaften oder auch Verkäufe für ausgewählte Ländergesellschaften. Das war offenbar auch eine Reaktion auf einen vorherigen Brief von Aspex, auf den sich der Aktionär bezieht. Doch seither sei nichts Wesentliches passiert, kritisiert Aspex.
Apex fordert Überprüfung von Managementfehlern
Dass Delivery Hero zwar in 53 der 68 Länder nach eigenen Angaben die Nummer eins auf dem Markt für Essens- und Lebensmittel-Lieferdienste sei, aber im Vergleich zu den grossen Konkurrenten Uber, Grab, Doordash und Meituan die niedrigsten operativen Renditen aufweise, zeige, dass das Unternehmen entweder dort nicht der richtige Eigentümer sei oder das Geschäftsmodell nicht funktioniere, heisst es in dem Brief. Analysten hielten die Nahost-Tochter Talabat, die auch an der Börse in Dubai gelistet ist, das Geschäft in Südkorea und in Lateinamerika für die wertvollsten Teile von Delivery Hero.
Für den Fall, dass sich Delivery Hero nicht bald zu solchen Schritten bekenne, werde Aspex alle rechtlich möglichen Massnahmen prüfen. Dabei attackieren die Hongkonger auch Östberg selbst: «Dazu gehören vor allem Schritte, die letztlich auf Änderungen in der Führung des Unternehmens abzielen und damit eine rasche Umsetzung der strategischen Veränderungen und eine Überprüfung von Managementfehlern sicherstellen», schliesst das Schreiben.
Aspex ist nach eigenen Angaben seit 2020 an Delivery Hero beteiligt und nach LSEG-Daten der drittgrösste Aktionär hinter der Internet-Holding Prosus (knapp 27 Prozent) und der Fonds-Sparte von Goldman Sachs. Prosus muss allerdings nach der Übernahme des Konkurrenten JustEat Takeaway nach Auflagen der EU seine Beteiligung bis zum Herbst auf weniger als zehn Prozent reduzieren, die Stimmrechte liegen bis dahin bei einem Treuhänder. Nach einem Höhenflug der Aktie während der Corona-Pandemie haben die Delivery-Hero-Aktien seit Anfang 2022 mehr als drei Viertel ihres Wertes verloren.

