Sie wollen auch «gegen die dortigen Völkerrechtsverbrechen durch das israelische Militär protestieren», wie sie ankündigten. «Es wird die grösste Flottille der Geschichte sein. Wir werden Vertreter aller Nationen der Welt haben, um dem Ruf nach Gerechtigkeit gegen Völkermord Ausdruck zu verleihen», erklärte im Vorfeld Saif Abukeshek, Menschenrechtsaktivist und Mitorganisator der sogenannten Globalen Sumud-Flottille in Barcelona.

Aus neun Schweizer Staatsangehörige nehmen an der Aktion teil. Bereits vergangenen Herbst hatte sich eine Schweizer Delegation an der Global Sumud Flotilla beteiligt. Insgesamt 19 Schweizer Staatsangehörige waren unter den mehr als 450 Aktivistinnen und Aktivisten der Hilfsflotte.

Die Flotte mit der schwedischen Klima- und Menschenrechtsaktivistin Greta Thunberg, die auch von Prominenten wie US-Schauspielerin Susan Sarandon und dem «Game of Thrones»-Darsteller Liam Cunningham unterstützt wurde, konnte sich im Oktober nur bis auf etwa 70 Seemeilen dem Gaza-Streifen nähern. Viele Schiffe mussten die Fahrt aufgrund technischer Probleme oder schlechten Wetters abbrechen. Rund 20 Schiffe wurden von der israelischen Marine abgefangen, die die über 300 Aktivisten festsetzte und erst nach Tagen wieder freiliess.

Die Uno kritisierte das Abfangen der zivilen Hilfsschiffe der Gaza-Flotte in internationalen Gewässern durch Israel stark. Israel weite damit die rechtswidrige Blockade des Gazastreifens aus, erklärte das Uno-Menschenrechtsbüro. «Als Besatzungsmacht muss Israel die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten im Rahmen der verfügbaren Mittel sicherstellen oder unparteiische humanitäre Hilfsmassnahmen schnell und ungehindert unterstützen», so Uno-Sprecher Thameen al-Kheetan damals.

Diplomatische Verstimmungen

Nachdem Israel die Schiffe in internationalen Gewässern in der rund 280 Kilometer vor der Küste des Gazastreifens eingerichteten Sperrzone abgefangen hatte, reagierte Spanien mit diplomatischem Protest, indem es den israelischen Geschäftsträger in Madrid ins Aussenministerium zitierte. Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez zählt seit dem Beginn des durch den Hamas-Grossangriff auf Israel ausgelösten Gaza-Krieg in Europa zu den härtesten Kritikern der israelischen Regierung.

Im Mai 2024 erkannte die spanische Regierung offiziell einen eigenständigen palästinensischen Staat an. Zuletzt stellte sich Sánchez gegen die Angriffe Israels und der USA, mit denen der Iran-Krieg begann. Zudem setzte sich Sánchez für EU-Sanktionen gegen Israel ein.

Die sich in den vergangenen Wochen weiter zuspitzenden diplomatischen Verstimmungen zwischen Israel und Spanien veranlassten Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu am Freitag, Spanien aus dem internationalen Koordinationszentrum (CMCC) zur Überwachung der Gaza-Waffenruhe auszuschliessen. Netanyahu warf Madrid vor, eine «diplomatische Kriegführung» gegen Israel zu betreiben.

«Ich werde keinem Land erlauben, einen diplomatischen Krieg gegen uns zu führen, ohne dass es einen unmittelbaren Preis dafür zahlt», sagte Netanyahu mit Blick auf die Entscheidung, Spanien aus der US-geführten Organisation zu werfen. «Diejenigen, die den Staat Israel angreifen, anstatt sich terroristischen Regimen entgegenzustellen, werden keine Partner für uns bei der Gestaltung der Zukunft der Region sein», so Israels Regierungschef.

Ärzte, Pädagogen, Architekten, Handwerker an Bord

Stand im vergangenen Jahr eher der symbolische Protest der Gaza-Flotte im Mittelpunkt, sind diesmal auch Ärzte, Pädagogen, Architekten, Handwerker, Krankenpfleger, Anwälte und Experten für Menschenrechtsverletzungen an Bord der Schiffe, um beim «Wiederaufbau des Gazastreifens zu helfen und konkrete humanitäre Hilfe zu leisten», stellte Organisationssprecher Saif Abukeshek klar.

Um erneute technische Probleme bei der Durchkreuzung des Mittelmeers zu verhindern, wird die Flotte diesmal von der spanischen NGO Open Arms sowie dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise begleitet, die mit Profis verschiedener Bereiche helfen und unterstützen können. Je nach Wetterbedingungen könnte die Hilfsflotte den Gaza-Streifen in rund zwei Wochen erreichen.

(AWP)