Nach den Prognosen von ARD und ZDF liegen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir knapp vor der CDU von Landeschef Manuel Hagel.
Die rechtspopulistische AfD verdoppelt ihr Ergebnis und landet auf Platz drei. Die sozialdemokratische SPD - die als Koalitionspartnerin der CDU von Kanzler Friedrich Merz an der deutschen Regierung beteiligt ist - stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagwahlen deutschlandweit. Die wirtschaftsliberale FDP und die Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde, sind also künftig nicht im Parlament von Baden-Württemberg - dem Landtag - vertreten.
Den Prognosen zufolge kommen die Grünen auf 31,5 bis 32 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,0 bis 30,5 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 17,5 bis 18 Prozent (9,7). Mit grossem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,5 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls auf 4,5 Prozent (3,6).
Erstmals durften 16- und 17-Jährige abstimmen
Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen nach bei 69,5 bis 71,5 Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben - so viele wie nie zuvor.
Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den Direktkandidaten im Wahlkreis.
Nachfolger für Langzeit-Ministerpräsident Kretschmann gesucht
Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15 Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, deutschlandweit der erste und einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor ab 2011 mit der SPD. Es gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen regieren.
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die Wirtschaftspolitik. Baden-Württemberg ist ein industrielles Herz Deutschlands - und abhängig von der Autoindustrie, die einen Strukturwandel durchmacht. Tausende Jobs stehen zur Disposition, etliche Regionen blicken mit Sorge auf die Zukunft.
Vorsprung der CDU im Umfragen zuletzt geschrumpft
Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, der Abstand schmolz zuletzt aber stark. Als Partei präferierten viele zwar die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen lieber Özdemir - und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann Hagel.
Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik - er sass im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen «anatolischen Schwaben» nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.
Hagel schwärmte von «rehbraunen Augen» einer Schülerin
Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021 CDU-Fraktionschef im Landtag und wäre, sollte seine Partei vorn liegen, der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte. Im Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den «rehbraunen Augen» einer minderjährigen Schülerin.
Auftakt für das «Superwahljahr 2026»
Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen in Deutschland im «Superwahljahr 2026» und die erste unter der seit Mai amtierenden Merz-Regierung. Im September wählen die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern - dort kommt die AfD in Umfragen an die 40 Prozent.
(AWP)
