Der Kapitän erschien nicht selbst vor Gericht, sondern liess sich von einem Anwalt vertreten. Der erklärte, das französische Gericht sei nicht zuständig, da die Marine den Tanker in internationalen Gewässern aufgebracht habe. Dieser Auffassung folgte das Gericht aber nicht.
Der Tanker wird laut Staatsanwaltschaft der russischen Schattenflotte zugerechnet. Damit sind Tanker und Frachtschiffe gemeint, die Russland zum Vermeiden von Sanktionen etwa beim Öltransport einsetzt. Im Januar und Ende März brachte Frankreich erneut Ölfrachter auf, die verdächtigt wurden, zur Schattenflotte zu gehören.
Mutmassliche Verwicklung in Drohnen-Störfälle
Nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens waren Mutmassungen, wonach die «Boracay» zuvor beim Passieren der dänischen Küste in Drohnen-Störfälle verwickelt gewesen sein könnte. Diese führten vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs. Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können.
Recherchen des US-Senders CNN hatten ergeben, dass sich an Bord der «Boracay» zwei Russen befanden, die für eine private russische Sicherheitsfirma mit Verbindungen zur Armee und zum Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Entsprechende russische Sicherheitskräfte kämen auf etlichen Tankern der Schattenflotte zum Einsatz. Sie überwachten die Mannschaft der Schiffe und machten Fotos von europäischen militärischen Einrichtungen, berichtete CNN unter Verweis auf westliche Geheimdienstinformationen./evs/DP/zb
(AWP)
