Auch Israels Norden kam erneut unter Beschuss aus dem Iran und dem Libanon. Die israelische Armee teilte am Sonntagmorgen mit, es seien Raketen vom Iran aus auf Israel abgefeuert worden. Nach Medienberichten heulten Warnsirenen im Grenzgebiet zum Libanon sowie auf den besetzten Golanhöhen. Anschliessend berichtete das israelische Nachrichtenportal «ynet», auch aus dem Libanon seien zehn Raketen auf Israels Norden abgefeuert worden. Ein Teil davon sei von der Raketenabwehr abgefangen worden und der Rest in offenen Gebieten eingeschlagen.
Die israelische Armee wiederum startete eine weitere breitangelegte Angriffswelle auf den Iran. Es sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats im Westen des Landes angegriffen worden, hiess es in einer Mitteilung des Militärs.
Israel will Krieg noch mindestens drei Wochen fortsetzen
Die Armee plant den Krieg nach Angaben eines Sprechers noch mindestens drei Wochen fortzusetzen. Es verblieben noch «Tausende Ziele» im Iran, sagte der Militärsprecher Effie Defrin dem US-Sender CNN. «Wir sind bereit - in Abstimmung mit unseren US-Verbündeten - mit Planungen zumindest bis zum jüdischen Feiertag Pessach, der in etwa drei Wochen beginnt», sagte Defrin demnach. «Und wir haben sogar weitergehende Pläne für weitere drei Wochen darüber hinaus.»
US-Präsident Donald Trump stellte unterdessen militärische Hilfe vieler nicht näher genannter Länder zur Sicherung des Schiffsverkehrs durch die für den globalen Öltransport wichtigen Strasse von Hormus in Aussicht. Der Schiffsverkehr dort ist nahezu zum Erliegen gekommen, was die Ölpreise in die Höhe treibt. Trump drohte mit weiteren Angriffen auf der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg, um Teheran zur Wiederöffnung der Strasse von Hormus zu bewegen.
Trump: Bedingungen für Iran-Abkommen noch nicht gut
Trump ist nach eigenen Worten derzeit nicht bereit für ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs mit dem Iran. «Der Iran will ein Abkommen schliessen, und ich will es nicht schliessen, weil die Bedingungen noch nicht gut genug sind», zitierte ihn der Sender NBC News. Auf die Frage des Senders, wie die Bedingungen für ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs aussehen müssten, habe Trump am Telefon erwidert: «Das möchte ich Ihnen nicht sagen.»
Er bestätigte aber, dass eine Verpflichtung des Irans, jegliche nukleare Ambitionen aufzugeben, Teil davon sein würde. Öffentlich haben sich ranghohe iranische Vertreter nicht dazu geäussert, bereit für ein Abkommen für ein Ende des Kriegs zu sein.
Der iranische Aussenminister wies Gerüchte über den Gesundheitszustand des neuen obersten Führers seines Landes, Modschtaba Chamenei, zurück. Chamenei erfreue sich bester Gesundheit und habe die Lage im Griff, sagte Abbas Araghtschi nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna. Es gebe auch keine Spaltung innerhalb der Regierung oder des Militärs. Die USA hatten am Freitag mitgeteilt, dass Chamenei, der sich seit seiner Wahl vor einer Woche nicht öffentlich gezeigt hat, nach ihren Kenntnissen verletzt sei.
Golfstaaten weiter unter Beschuss
Die Vereinigten Arabischen Emirate gerieten erneut unter iranischen Beschuss. Die Luftabwehr sei dabei, Raketenangriffe und aus dem Iran kommende Drohnen abzufangen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf die Revolutionsgarden, man habe Drohnen und Raketen auf die Luftwaffenbasis al-Dhafra abgefeuert. Zuvor war es bereits zu weiteren Angriffen auch auf andere Golfstaaten gekommen. Saudi-Arabien fing nach eigenen Angaben insgesamt 14 Drohnen im Raum der Hauptstadt Riad und im ölreichen Osten des Landes ab.
Nach Informationen der israelischen Denkfabrik INSS haben die iranischen Raketenangriffe auf Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate seit Beginn des Kriegs eine ähnliche Intensität. Beide Länder seien bisher mit rund 300 Raketen angegriffen worden, hiess es in einer Mitteilung. Dazu kommen mehr als 1.600 Drohnenangriffe auf die Emirate und mehr als 500 auf Israel.
Papst mahnt Feuerpause an
Papst Leo XIV. mahnte nach zwei Wochen Krieg im Nahen Osten dringend eine Feuerpause an. In seinem Sonntagsgebet vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom appellierte das Oberhaupt der katholischen Kirche an die «Verantwortlichen dieses Konflikts»: «Ruft einen Waffenstillstand aus! Lasst uns wieder Wege des Dialogs beschreiten. Denn Gewalt wird niemals zu der Gerechtigkeit, der Stabilität und dem Frieden führen, auf die die Völker warten.»
(AWP)
