Die Präsidentin der regionalen US-Notenbank von Cleveland, Beth Hammack, hat sich besorgt über die hohe Teuerung in den USA geäussert. Die Hauptsorge ‌sei, ⁠dass die Inflation zu hoch und immer noch im Steigen begriffen sei, sagte ⁠sie am Dienstag in Cleveland. Es gebe jedoch noch keine Anzeichen dafür, dass die Inflationserwartungen der ‌Bevölkerung und der Unternehmen stiegen. Sie habe auch noch ‌keine Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Konsumausgaben ​der Menschen gesehen. Angesichts der sehr hohen wirtschaftlichen Unsicherheit sei auch der Ausblick für die Geldpolitik unsicher.

Hammack erklärte, die Notenbank Federal Reserve (Fed) müsse womöglich bald aktiv werden, sollte der Inflationsdruck zunehmen. Vorerst sei es «angesichts der Unsicherheiten bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten vernünftig, ‌die Zinsen stabil zu halten», sagte die Zentralbankerin. «Sollten sich die jüngsten Trends jedoch fortsetzen, könnte es bald geboten sein, zu handeln», betonte sie. Die Fed entscheidet am ​17. Juni über die Geldpolitik. Die Finanzmärkte gehen allerdings davon ​aus, dass die Notenbank dann ihren Leitzins unverändert ​in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent lässt.

Hammack warnte zudem vor langanhaltenden Störungen für die Wirtschaft - ‌auch bei einem baldigen Ende des Krieges im Nahen Osten. «Was ich von Kontakten aus der Wirtschaft, insbesondere aus dem Energiesektor, gehört habe, ist, dass es selbst ​bei einer ​morgigen Öffnung der Strasse von Hormus ⁠Monate dauern wird, bis wir diesen Ölfluss wiederhergestellt ​haben», sagte die Notenbankerin. Dies ⁠werde weitreichende Störungen in der gesamten Wirtschaft zur Folge haben. Die Firmen hätten ‌sich jedoch bei vielen Veränderungen als widerstandsfähig erwiesen.

Den US-Arbeitsmarkt bezeichnete Hammack trotz eines geringen Stellenaufbaus als stabil und im Grossen und Ganzen ‌im Gleichgewicht. Sie beobachte jedoch eine zunehmende Kluft in der Gesellschaft. ​Während es einkommensstarken Amerikanern wirtschaftlich weiterhin gut gehe, hätten Haushalte mit geringerem Einkommen zu kämpfen.

(Reuters)