Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen des KOF Instituts in der am Mittwoch veröffentlichten Frühlings-Konjunkturprognose. Sie sagen für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP real, ohne internationale Sportereignisse) von 1,0 Prozent voraus. Das liegt leicht unter der letzten Prognose von 1,1 Prozent und weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 1,8 Prozent.

Voraussetzung für diese Entwicklung wäre laut den Experten, dass sich der Ölpreis bald wieder normalisiert. Sollte er längere Zeit auf dem aktuellen Niveau verharren, sei hingegen für 2026 nur mit einem Wachstum von 0,7 Prozent zu rechnen. Für 2027 lauten die Prognosen auf 1,7 Prozent und 1,5 Prozent bei einem erhöhten Ölpreis.

Einen grossen Unterschied macht der Ölpreis auch bei der Inflation: Bleibt der Ölpreis hoch, steigt diese gemäss KOF auf 0,6 Prozent im 2026 und 0,8 Prozent im 2027. Bei einem Rückgang sei nur mit Werten von 0,3 und 0,6 Prozent zu rechnen.

Konsum stützt

Unabhängig vom Ölpreis und dem Irankrieg wachse die Weltwirtschaft derzeit nur moderat, wird die so oder so pessimistische Prognose für 2026 begründet. Im Euroraum und insbesondere in Deutschland gebe es immerhin Anzeichen für eine Verbesserung, was sich in der höheren 2027er-Prognose zeigt.

Eine wichtige Stütze bleibt der private Konsum. Dieser habe sich zuletzt robust entwickelt. Dies dürfte laut den KOF-Experten trotz schwachem Arbeitsmarkt so bleiben - dank der tiefen Inflation und einem stabilen Lohnwachstum. Die Arbeitslosenquote werde noch bis Mitte 2026 leicht ansteigen, danach aber etwas zurückgehen.

Die Sparpläne des Bundes und die schwache Investitionstätigkeit der Firmen seien hingegen ein Hemmschuh für die Konjunktur. Die Firmen würden wegen der schwachen Ertragslage und wegen der wirtschaftspolitischen Unsicherheiten nur wenig investieren.

Die jüngste Zollentlastung gegenüber den USA verbessere zwar die Ausgangslage für Teile der Industrie. Dies werde jedoch durch die erhöhte geopolitische Unsicherheit teilweise kompensiert.

Zollthema als Risiko

Ganz generell seien die Prognoserisiken erheblich, räumen die KOF-Ökonomen ein. Und sie seien «überwiegend» abwärtsgerichtet. Insbesondere könnte der Druck der US-Regierung zur Senkung der Preise von Pharmaprodukten die Schweizer Pharmabranche stark belasten, befürchten sie. Zudem sei unklar, ob zugesagte Investitionen Schweizer Unternehmen in den USA zu Verlagerungseffekten führten und damit die Investitionstätigkeit in der Schweiz weiter dämpften.

Der Irankrieg berge ebenfalls Risiken - wegen des Öl- und Gaspreises, aber auch wegen möglicher Störungen von Lieferketten. Hinzu könnte laut den Experten eine weitere Aufwertung des Frankens infolge der Krise die Schweizer Exportwirtschaft zusätzlich schwächen.

rw/ra

(AWP)