Vorerst gibt es keine Erleichterung für die Weltwirtschaft, die bereits seit mehr als einem Jahr von Teuerung und Zinserhöhungen geplagt wird. Pünktlich zum Sommeranfang in der nördlichen Hemisphäre meldete Grossbritannien am Mittwoch eine alarmierend hartnäckige Teuerungsrate, während der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, zwei weitere Zinserhöhungen in Aussicht stellte.

Nur wenige Stunden später beschleunigten sowohl die Bank of England als auch ihr norwegisches Pendant ihre Straffungsmassnahmen mit Zinserhöhungen um jeweils einen halben Prozentpunkt und kündigten an, dass weitere folgen würden. Auch die Schweizer Notenbanker zeigten keine Neigung, die Hände von der Zinsschraube zu lassen, obwohl die Inflation dort schon auf nahe 2 Prozent gesunken ist.

Unterm Strich endet der Juni also mit einer erneuten Alarmstimmung hinsichtlich der Preisentwicklung - nachdem er mit der Aussicht auf eine Atempause seitens der Fed begonnen hatte. Die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt, und es besteht wenig Aussicht auf eine Entlastung von steigenden Zinsen in den kommenden Monaten.

Bank of England im Rampenlicht der Weltmärkte

"Beweisstück No. 1" für die Notwendigkeit scharfer geldpolitischer Massnahmen ist die Türkei, wo eine galoppierende Inflation von fast 40 Prozent Präsident Recep Tayyip Erdoğan schliesslich dazu zwang, am Donnerstag eine Zinsanhebung zuzulassen. "Beweisstück No. 2" könnte Grossbritannien sein, das damit zu kämpfen hat, den jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise einzudämmen, der immer noch über 8 Prozent liegt.

"Die Inflation ist immer noch zu hoch, und wir müssen sie in den Griff bekommen", sagte der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, vor Reportern im hitzegeplagten London. "Wir wissen, dass dies schwierig ist - viele Menschen mit Hypotheken oder Krediten werden verständlicherweise besorgt darüber sein, was dies für sie bedeutet. Aber wenn wir die Zinsen jetzt nicht anheben, könnte es später noch schlimmer werden."

Die Bank of England rückte am Donnerstag unfreiwillig ins Rampenlicht der Weltmärkte, nachdem die britische Statistikbehörde gemeldet hatte, dass die Kerninflation im Königreich auf den höchsten Stand seit 31 Jahren gestiegen ist. Das zwang die Währungshüter von der Threadneedle Street, das Tempo der Zinserhöhungen zu verdoppeln und den Leitzins auf ein 15-Jahres-Hoch von 5 Prozent zu heben.

Bloomberg Economics schreibt: "Die Entscheidung der BoE, die Zinssätze um 50 Basispunkte anzuheben, war eine Überraschung, aber es ist schwer zu argumentieren, dass sie angesichts der jüngsten Daten nicht gerechtfertigt war. Die offensichtliche nächste Frage ist, ob dies die erste von vielen sein wird. Dazu müssten die Kern- und die Dienstleistungsinflation weiter ansteigen — das ist nicht unser Basisszenario. Wir gehen davon aus, dass beide auf dem derzeitigen Niveau verharren werden, bevor sie im Winter deutlicher sinken. Das erfordert weitere Massnahmen, allerdings in kleineren Schritten."

Einen Gang höher

Diese Entscheidung war gleichzeitig der Höhepunkt einer gut einwöchigen Phase, in der die globalen Währungshüter einen Gang höher schalteten. Dies begann mit der Zinspause der Fed am vergangenen Mittwoch, bei der aber auch eine erneute Anhebung bereits im Juli in Aussicht gestellt wurde.

"Der Prozess, die Inflation auf 2 Prozent zu senken, hat noch einen langen Weg vor sich", sagte Powell am Mittwoch vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des US-Repräsentantenhauses.

Am vergangenen Donnerstag stellte die Europäische Zentralbank ebenfalls eine Zinserhöhung für das nächste Treffen in Aussicht, zusätzlich zu der gerade erfolgten. Die Falken unter den Notenbankern liessen durchblicken, dass es auch danach im September noch weitergehen könnte.

Jetzt hob auch Norwegen den Ausblick für den Zinsgipfel deutlich an. In der nordischen Nation wird der Preisauftrieb zum Teil durch die schwache Krone angeheizt, die in diesem Jahr die zweitschlechteste Währungsperformance in der Gruppe der 10 aufweist.

"Wir haben im Laufe der Zeit gesehen, dass Volatilität und Unsicherheit auf den internationalen Finanzmärkten zu einer Risikoprämie für die norwegische Währung beigetragen haben", sagte Gouverneurin Ida Wolden Bache in einem Interview. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Prämie in Zukunft etwas verringern wird, aber wir erwarten einen schwächeren Wechselkurs als in unserem letzten Bericht."

Auch die SNB geht kein Risiko ein

Auch die Schweiz, wo die Kerninflation jetzt sogar unter der von den Behörden angestrebten Obergrenze von 2 Prozent liegt, geht kein Risiko ein. Die Notenbanker drosselten das Straffungstempo auf einen Viertelpunkt — die bisher geringste Erhöhung —, warnten aber, dass sie noch nicht fertig seien.

"Wir sind noch nicht am Ende — höchstwahrscheinlich könnten weitere Zinserhöhungen notwendig sein, um die Inflation dauerhaft unter 2 Prozent zu bringen", sagte Thomas Jordan, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, in Zürich gegenüber Bloomberg TV.

Auch die türkische Zentralbank versprach eine weitere Straffung der Geldpolitik, wies aber darauf hin, dass künftige Schritte schrittweise erfolgen würden, wie es Finanzminister Mehmet Simsek angekündigt hatte.

Das reichte nicht aus, um die Märkte zu beeindrucken, die mit einer wesentlich stärkeren Anhebung gerechnet hatten. Die türkische Lira brach um bis zu 4,3 Prozent ein, die Dollar-Anleihen des Landes fielen und die Kosten für die Versicherung türkischer Schuldtitel gegen Zahlungsausfälle mit Hilfe von Credit-Default-Swaps stiegen.

(Bloomberg)