Der europäische Regionalverband Uefa sprach am Mittwoch von «erheblichem und wachsendem Widerstand» gegen das Vorhaben der Fifa. «Die Fifa darf unseren Sport nicht weiterhin dazu ‌nutzen, sich ⁠selbst und ihre Freunde zu bereichern», hiess es in einer offiziellen Stellungnahme des Verbandes. Am Dienstag hatte die Fifa bestätigt, Investoren ⁠mit bis zu 4,2 Milliarden Dollar an einer kommerziellen Firma beteiligen zu wollen, in der die Weltmeisterschaften und andere Grossveranstaltungen gebündelt werden. Dafür würden sie ‌20 bis 30 Prozent an der mit rund 20 Milliarden Dollar bewerteten Firma bekommen.

Wichtigster Investor ‌dafür soll Thrive Eternal sein, ein Investmentvehikel von Thrive Capital. Hinter ​der Firma steht Joshua Kushner, der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte vor und während der WM einen engen Schulterschluss mit Trump geübt. Sein Vorgänger Sepp Blatter sprach sich ebenfalls deutlich gegen den Vorstoss aus: «Fussball gehört keinem Einzelnen und keiner Institution. Er gehört den Menschen.» Wenn die Fifa zu einem profitorientierten Unternehmen werde, «würde sie ihre Seele verlieren».

Die ‌Regionalverbände für Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und Asien (AFC) erklärten, sie seien von den Plänen überrascht worden und hätten davon aus den Medien erfahren. Die Concacaf bemängelte das Fehlen eines «ordnungsgemässen Verfahrens». Die Verbände seien die Hüter des Sports, und auch die Fifa müsse stets im besten ​Interesse des Sports handeln. Ein Vertreter der Uefa sagte, man habe bereits am Dienstag eine Dringlichkeitssitzung ​angeregt, um über den Vorstoss zu sprechen.

Infantino stellt ein Ultimatum

Fifa-Präsident Infantino ​will die Verbände offenbar mit einer milliardenschweren Ausschüttung zur Zustimmung für den Plan bewegen. In einem Brief an die 211 Fifa-Mitglieder, aus dem die Zeitung «Times» zitiert, heisst ‌es, bei einer Zustimmung bis zum 19. September bekäme jeder Verband im kommenden Januar 40 Millionen Dollar - insgesamt also mehr als zehn Milliarden. Wenn nicht, bleibe es bei einer Ausschüttung von 2,7 Milliarden. Diese Frist spreche für sich, erklärte die Uefa. «Das sagt bereits alles, ​was man ​über diesen Plan wissen muss.» Die Uefa, die Concacaf und ⁠die AFC stellen zusammen 143 der 211 Verbände. Die Fifa wollte sich dazu ​nicht äussern.

DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, ⁠der auch Vizepräsident des Uefa-Exekutivkomitees ist, sagte dem Magazin «kicker», er sehe die Pläne der Fifa - wie viele andere auch - «als absoluten ‌Angriff auf den Fussball an. (...) Hier wird eine Grenze überschritten.» Wenn sich der europäische Fussball gegen die Pläne geschlossen wehre, habe das «sehr viel Gewicht». Der Sportvorstand des FC Bayern München, Max Eberl, sagte: er habe «das Gefühl, ‌die FIFA ist nur dafür da, um Profit zu machen. Es fühlt sich an, als ​würde nur Geld auf allen Kanälen verdient werden wollen.» Der englische Fussball-Verband FA äusserte sich «zutiefst besorgt» über die Pläne. Frankreichs Verbandspräsident Philippe Diallo sagte dem Radiosender Inter, die Pläne würfen viele Fragen auf. 

(Reuters)