Die Situation im Nahen Osten eskaliert erneut. In Bahrain und Kuwait heulen die Alarmsirenen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Schutz zu suchen. Nach Angaben staatlicher Medien ist die kuwaitische Flugabwehr im Einsatz gegen Raketen- und Drohnenangriffe unbekannter Herkunft. Das US-Militär teilte in der Nacht zum Samstag mit, der Iran habe sieben ballistische Raketen auf Kuwait und ‌Bahrain abgefeuert. Sechs ⁠der Raketen seien abgefangen worden, die siebte habe ihr Ziel nicht erreicht. Es habe keine amerikanischen Verletzten gegeben.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC)bezeichneten die Angriffe auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain in einer Mitteilung ⁠als Vergeltung für US-Attacken auf iranische Stellungen im Golf. Zudem hätten die IRGC vier Öltanker beschossen, die versucht hätten, die Strasse von Hormus ohne ihre Genehmigung zu durchfahren. Das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando hatte zuvor ‌mitgeteilt, es habe nach dem Start von mehreren iranischen Kampfdrohnen iranische Radarstellungen in Goruk und auf der Insel Qeschm angegriffen. Die iranischen ‌Drohnen hätten den Schiffsverkehr auf der Strasse von Hormus bedroht. US-Kampfflugzeuge hätten mindestens vier der Drohnen ​abgeschossen.

Zurzeit laufen indirekte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Dabei geht es vorerst um eine Zwischenlösung, um den Krieg zu beenden. Doch immer wieder kommt es zu kleineren oder grösseren Gefechten zwischen den Ländern. Der Iran macht eine Waffenruhe im Libanon zur Bedingung für ein Friedensabkommen mit Washington.

Zudem fordert die Regierung in Teheran den Zugriff auf eingefrorene Öleinnahmen in Milliardenhöhe, Ausnahmen von den Sanktionen für Rohölexporte, die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen sowie die Kontrolle über die Strasse von Hormus. Über das iranische Atomprogramm soll in späteren Verhandlungen diskutiert werden. US-Präsident ‌Donald Trump hat wiederholt erklärt, seine oberste Priorität sei es, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Der Iran betont, sein Nuklearprogramm diene ausschliesslich friedlichen Zwecken.

Trump unter Druck

US-Präsident Trump steht wegen steigender Benzinpreise innenpolitisch zunehmend unter Druck, den unpopulären Krieg zu beenden. Am Freitag hatte er bei einer Wahlveranstaltung im US-Bundesstaat Wisconsin erneut ein schnelles Ende des Kriegs gegen den Iran angekündigt. Dem ​US-Sender NBC sagte er, die meisten iranischen Anlagen zur Herstellung von Drohnen und Raketen seien zwar zerstört worden, die Iraner hätten aber ​immer noch Zugang zu «einigen Raketen und Drohnen». «Sie haben vielleicht 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen. Das sind eine Menge Raketen, ​aber es ist nicht mehr das, was es war, als wir zum ersten Mal angegriffen haben», erklärte Trump laut vorab veröffentlichten Auszügen aus der Sendung «Meet the Press».

Auf die Frage, warum die iranische Führung nicht eher zu ‌einer Einigung bereit sei, wenn sie so verzweifelt sei, wie er sie immer darstelle, sagte Trump: «Weil sie stark sind. Sie sind stolz. Es gibt Dinge, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie sie tun müssten, die sie aber tun müssen, sie haben keine Wahl, und das dauert eine Weile.»

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) drohten am Samstagmorgen mit einer vollständigen Schliessung der Strasse von Hormus für ​Öl- und ​Gasexporte. Die USA würden für die Folgen verantwortlich gemacht, sollten ihre «Machenschaften» andauern, heisst es in einer Erklärung. ⁠Das US-Militär weist indessen iranische Angaben zurück, wonach das Hauptquartier der Fünften Flotte der US-Marine in Bahrain beschädigt ​worden sei.

Erneute Kämpfe in der ganzen Region

Auch im Libanon kam es erneut zu Kämpfen. Die vom Iran unterstützte bewaffnete Gruppe Hisbollah erklärte am Freitag, sie habe zwei Angriffe auf israelische Truppen im Südlibanon verübt. Libanesische ‌Sicherheitsdienste berichteten zudem von israelischen Luftangriffen auf Städte im Süden des Landes. Der Iran bekräftigte seine Unterstützung für die Hisbollah und forderte einen Abzug Israels aus dem Südlibanon. Die Regierung in Teheran teilte mit, ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah sei eine Vorbedingung für ein Friedensabkommen mit Washington.

Die jüngsten Kämpfe zwischen der ‌Hisbollah und Israel waren Anfang März ausgebrochen. Der Hisbollah-Führer Naim Kassim wies in dieser Woche einen von den USA vermittelten Pakt zwischen Israel ​und der libanesischen Regierung zur Beendigung der Kämpfe zurück. Das Abkommen sehe keinen israelischen Abzug vor und die Hisbollah sei nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen. Israel hat seine Angriffe im Südlibanon fortgesetzt und erklärt, seine Streitkräfte würden sich nicht zurückziehen.

Der libanesische Parlamentspräsident und Hisbollah-Verbündete Nabih Berri erklärte seinerseits am Freitag, er werde einem Abzug der Gruppe aus dem Südlibanon zustimmen, wenn die israelischen Truppen gleichzeitig das von ‌ihnen besetzte Gebiet im Land verliessen.

(Reuters)