Damit ist europäisches Erdgas so teuer wie zuletzt im Januar, als niedrige Temperaturen in weiten Teilen Europas und vergleichsweise niedrige Füllstände der Gasspeicher den Preis zeitweise über 40 Euro getrieben hatten. Im Februar waren die Notierungen wieder spürbar bis auf etwa 30 Euro je Mwh zurückgegangen.

Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte ausserdem den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.

Marktbeobachter sehen das Risiko weiterer Preisanstiege und halten Dimensionen wie damals beim Einmarsch Russlands in die Ukraine für möglich, falls der Konflikt länger andauert und weiter eskaliert. Zwar wird ein Grossteil des Erdgases aus der Region am Persischen Golf nach Asien geliefert. Eine Unterbrechung der Lieferungen von Flüssiggas durch die Strasse von Hormus dürfte aber den Wettbewerb um alternative Bezugsquellen verschärfen und die Preise weltweit, auch in Europa, in die Höhe treiben.

In Europa sind die Gasvorräte nach dem Winter vergleichsweise niedrig, und die Region muss in diesem Sommer grosse Mengen an Flüssiggas importieren, um sie vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen. Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs wollen einen weiteren Anstieg des Gaspreises nicht ausschliessen. Sollte der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus für einen Monat eingestellt werden, könnten sich der europäische Gaspreis nach Einschätzung von Goldman Sachs mehr als verdoppeln./jkr/mis/stk

(AWP)