Die Blockade der Strasse von Hormus durch den Krieg im Iran hat in den USA und Kanada zu einer Düngemittelknappheit geführt. Den ‌US-Bauern ⁠fehlen nach Angaben des Branchenverbands The Fertilizer Institute etwa 25 Prozent der üblichen Vorräte ⁠für die Frühjahrsaussaat. Die Preise für verfügbare Lieferungen seien seit Kriegsbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen. Die ‌USA importieren in manchen Jahren die Hälfte ihres Harnstoffdüngers ‌aus dem Ausland.

Die Lage könnte sich ​weiter verschärfen, da andere Länder bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Der Marktanalyst Josh Linville von StoneX warnte, dass der Preis im Hafen von New Orleans derzeit bis zu 119 Dollar pro Tonne unter dem Weltmarktpreis liege. «Ich befürchte nicht nur, dass ‌ankommende Schiffe zu lukrativeren Bestimmungsorten umgeleitet werden», sagte der Analyst. Es sei sogar denkbar, dass Händler vorhandene Vorräte aufkauften und exportierten.

Bauern, die ihre Düngemittel noch nicht gekauft haben, finden vielerorts ​leere Lager vor oder müssen Preise zahlen, die für manche unbezahlbar ​sind. Der Landwirt David Altrogge aus Saskatchewan berichtete, ​ein örtlicher Händler habe wegen der Knappheit keine Preisangebote mehr abgegeben. Er hatte seinen Harnstoffdünger bereits im ‌Dezember gekauft - heute würde er dafür 44'000 kanadische Dollar mehr bezahlen müssen. «Es läuft einem kalt den Rücken herunter», sagte Altrogge.

Über die Strasse von Hormus wurden vor dem ​Krieg mehr ​als 30 Prozent der weltweiten Stickstoffdünger-Exporte abgewickelt. Anders ⁠als China verfügten die meisten Länder über ​keine strategischen Düngemittelreserven, erklärte die ⁠Ökonomin Veronica Nigh des Düngerverbands. Das US-Händlersystem arbeite nach dem Just-in-time-Prinzip und halte kaum ‌Lagerbestände. Die Transportzeit vom Persischen Golf in die USA betrage mehrere Wochen. Dünger, der zu spät ankomme, könne für die Ernte 2026 nicht mehr verwendet ‌werden. Der US-Bauernverband warnte diese Woche, die Knappheit könne die ​Lebensmittelversorgung des Landes beeinträchtigen. Senator Josh Hawley forderte am Donnerstag eine Untersuchung möglicher Preistreiberei durch Düngemittelfirmen. 

(Reuters)