Beide Seiten lägen in wichtigen Fragen «noch weit auseinander», berichtete das «Wall Street Journal» nach Abschluss der dritten Verhandlungsrunde in Genf. Bei den Treffen geht es vor allem um das umstrittene iranische Atomprogramm.

Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Die iranische Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen.

Trumps Ultimatum

Omans Aussenminister Badr al-Bussaidi, der zwischen beiden Seiten vermittelt, kündigte neue Gespräche für kommende Woche an. Zunächst soll es Konsultationen mit den Regierungen in den Hauptstädten und zur Vorbereitung einiger Dokumente geben. Dies werde Zeit benötigen, sagte Irans Aussenminister Araghtschi.

Ob es aber tatsächlich zu einer weiteren Verhandlungsrunde beider Seiten kommen wird, ist noch unklar. US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Staatsführung vor einer Woche noch ein Ultimatum bis Anfang März gestellt. «Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich». Trump hat mit militärischen Massnahmen gedroht, sollte keine Einigung erzielt werden.

Wie wird sich Trump entscheiden?

Der US-Sender «ABC News» meldete, Admiral Brad Cooper, der Chef des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom), habe Trump am Donnerstag - also am Tag der Verhandlungen in Genf - über militärische Optionen unterrichtet. Der Sender berief sich auf eine Trump nahestehende Person. «Axios» meldete dies ebenfalls. Auch US-Generalstabschef Dan Caine habe dem Treffen beigewohnt, berichteten beide Medien.

Caine hatte Trump und dessen Team Medienberichten zufolge erst kürzlich vor Risiken eines Militäreinsatzes im Iran gewarnt. Demnach sieht er insbesondere die Gefahr, in einen langwierigen Konflikt verwickelt zu werden.

Vance: Keine US-Verwicklung in langwierigen Nahost-Krieg

US-Vizepräsident JD Vance befürchtet jedoch nicht, dass mögliche US-Angriffe auf den Iran sein Land in einen jahrelangen Krieg im Nahen Osten verwickeln könnten. In einem Interview mit der «Washington Post» gab Vance der Zeitung zufolge am Donnerstag an, nicht zu wissen, wie sich Trump entscheiden werde. Als Optionen beschrieb er sowohl Militärschläge «um sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffe bekommt» als auch eine diplomatische Lösung.

«Die Vorstellung, dass wir jahrelang und ohne absehbares Ende in einem Krieg im Nahen Osten sein werden - das wird auf keinen Fall passieren», sagte Vance der Zeitung zufolge. Der Vize-Präsident verwies demnach auf die begrenzten US-Angriffe auf iranische Atomanlagen im vergangenen Jahr sowie auf den Militäreinsatz in Venezuela im Januar, die «sehr klar definiert» gewesen seien.

Der Iran hat gewarnt, dass er jeden Angriff, auch wenn er noch so begrenzt sein sollte, als Auslöser für eine umfassende Reaktion betrachten werde. «Dies könnte die letzte Chance sein, eine Einigung zu erzielen», zitierte das «Wall Street Journal» Saeid Golkar, Experte für Irans Militär an der University of Tennessee. «Gelingt dies nicht, werden die USA als Nächstes mit militärischen Mitteln klären, was sie mit diplomatischen Mitteln nicht lösen können.»

Massive US-Präsenz in der Region

Das US-Militär hat inzwischen eine massive Streitmacht mit zwei Flugzeugträgern, weiteren Kriegsschiffe, Dutzenden Kampfjets sowie Flugabwehr und Militärflugzeugen in den Nahen Osten verlegt. Darunter sind auch Maschinen zur Luftbetankung, die bei intensiven Bombardierungen über grosse Distanzen benötigt werden. US-Medien zufolge ist es der grösste Aufmarsch von US-Luftstreitkräften in der Region seit dem Irak-Krieg 2003.

Irans Delegation wies in den jüngsten indirekten Verhandlungen offiziell mehrere US-Forderungen zurück, wie iranische Staatsmedien berichteten. Das Land sei nicht bereit, seine mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran ins Ausland zu überführen. Die Regierung bestehe ausserdem auf ihrem Recht, Kernenergie friedlich nutzen zu dürfen und dafür auch die Brennstoffproduktion zu erhalten. Der Iran fordert ausserdem die Aufhebung der harten UN-Sanktionen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.

Die Verhandlungsführer auf der US-Seite, der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, hätten bei den Verhandlungen gesagt, dass der Iran seine drei Atomstandorte Natans, Fordo und Isfahan zerstören und das verbleibende angereicherte Uran an die USA liefern müsse, meldete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Beamte. Jedes Atomabkommen müsse zudem «für immer gelten», hiess es./ln/DP/zb

(AWP)