Israel stellt sich auf eine Fortsetzung des Krieges gegen den Iran für mindestens drei weitere Wochen ein. Während die israelische Armee in der Nacht zum Montag Ziele im Iran bombardierte, legten iranische Drohnenangriffe den Flughafen von ‌Dubai vorübergehend lahm ⁠und trafen eine wichtige Ölanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Der Konflikt, in den auch die USA involviert sind, geht nun in die dritte Woche. Ein Ende ist nicht in Sicht. Bundesaussenminister Johann Wadephul forderte die USA ⁠und Israel auf, ihre Kriegsziele klar zu benennen. Zugleich erteilte die Bundesregierung der Forderung von US-Präsident Donald Trump eine Absage, sich an einem militärischen Schutz der Schifffahrt in der Strasse von Hormus zu beteiligen.

Die israelische Armee verfügt nach eigenen Angaben über detaillierte Einsatzpläne für ‌die kommenden drei Wochen sowie über weitere Pläne, die darüber hinausreichen. Dies teilte Militärsprecher Nadaw Schoschani am Montag mit. Ziel sei es, die Fähigkeiten des Iran ‌zur Bedrohung Israels massiv zu schwächen. Dabei konzentriere man sich auf die Infrastruktur für ballistische Raketen, Atomanlagen und den ​Sicherheitsapparat.

«Wir wollen sicherstellen, dass dieses Regime so schwach wie möglich ist und dass wir alle seine Fähigkeiten, alle Teile und alle Flügel seines Sicherheitsapparats schwächen», sagte Schoschani. Die Armee, die mehr als 110.000 Reservisten mobilisiert hat, habe noch Tausende von Zielen im Iran im Visier. Zudem begannen israelische Truppen nach Militärangaben begrenzte Bodenoperationen gegen die Hisbollah im Süden des Libanon.

Wadephul forderte mehr Informationen der USA und Israels über den weiteren Verlauf des Krieges. «Wichtig wird zunächst sein, dass die USA und Israel sich dazu verhalten, wann sie die militärischen Ziele ihres Einsatzes als erreicht betrachten. Hier brauchen wir mehr Klarheit», sagte Wadephul vor Beratungen der EU-Aussenminister in Brüssel. Hierzu erwarte er Antworten. Erst ‌dann könne man in eine nächste Phase gehen, um eine Sicherheitsarchitektur für die gesamte Region zu definieren, auch mit den Anrainerstaaten. Das werde dann auch erfordern, mit dem Iran ins Gespräch zu kommen, sagte Wadephul. Zudem betonte er, dass dies kein Krieg der Nato sei.

Der Iran signalisierte seinerseits Härte. Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte, die Führung in Teheran habe weder um einen Waffenstillstand gebeten noch Nachrichten mit den USA ausgetauscht. Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten Ziele ​in Tel Aviv sowie US-Militärstützpunkte in Abu Dhabi und Bahrain angegriffen. In Israel heulten die Sirenen wegen anfliegender Raketen.

Trump warnt Nato

Die wirtschaftlichen Folgen der Eskalation sind ​weltweit nach wie vor spürbar. Die Strasse von Hormus, durch die 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen fliessen, ist faktisch blockiert. Der ​Ölpreis der Sorte Brent stieg am Montag um mehr als ein Prozent auf über 104,50 Dollar. Verschärft wurde die Lage durch einen iranischen Drohnenangriff auf den Hafen von Fudschaira in den VAE. Dort wurden die Ölverladungen ausgesetzt.

Der Hafen ist ein kritischer Ausgangspunkt für das Murban-Rohöl ‌der Emirate; das betroffene Volumen entspricht etwa einem Prozent der weltweiten Nachfrage. Auch der internationale Flughafen von Dubai musste den Betrieb für mehrere Stunden einstellen, nachdem eine Drohne ein nahegelegenes Treibstofflager getroffen hatte.

US-Präsident Donald Trump forderte angesichts der Blockade eine internationale Koalition zur Öffnung der Strasse von Hormus. Er warnte das Nato-Bündnis vor einer «sehr schlechten» Zukunft, sollten die Mitglieder die Regierung in Washington nicht unterstützen. Trump erklärte am Sonntag an Bord der Air Force One, er habe bereits ​sieben Länder kontaktiert, ​die stark von Öl aus der Golfregion abhängig seien.

In einem Beitrag in den sozialen Medien nannte er China, ⁠Frankreich, Japan, Südkorea und Grossbritannien als Wunschpartner. Sollte China nicht helfen, erwäge er, seinen für Ende des Monats geplanten Besuch bei Präsident Xi ​Jinping in Peking zu verschieben, sagte Trump ⁠der «Financial Times». Für Trump ist die Entwicklung auch innenpolitisch brisant: Die steigenden Benzinpreise belasten seine Republikanische Partei vor den anstehenden Zwischenwahlen.

«Wollen, dass dieses Regime verschwindet»

Die Reaktionen fielen bislang zurückhaltend aus. Die Bundesregierung lehnt eine Beteiligung an einem ‌solchen Einsatz ab, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin bekräftigte. Wadephul betonte aber, er werde sich im Rahmen der EU für Sanktionen gegen diejenigen einsetzen, die verantwortlich für die Blockade der Strasse von Hormus seien. Die japanische Regierung teilte mit, keine Marineschiffe entsenden zu wollen. Australien kündigte zwar die Entsendung eines Überwachungsflugzeugs und von Raketen zur Verteidigung der VAE an, schloss den Einsatz der ‌Marine jedoch aus.

Im Iran berichteten staatliche Medien von fünf Toten und sieben Verletzten bei nächtlichen Angriffen in der Provinz Markazi. Auch eine Jungenschule in der Stadt ​Chomein sei getroffen worden. Die Zivilbevölkerung leidet unter den Folgen der Kämpfe und der Isolation. «Wir fühlen uns von der Welt abgeschnitten», sagte die 62-jährige Shahnaz der Nachrichtenagentur Reuters über eine Satellitenverbindung, da das Internet ausgefallen war. «Es sind nur noch wenige Tage bis Nouruz, aber den Leuten ist nicht zum Feiern zumute. Wann wird das enden?» Nouruz, das persische Neujahrsfest, wird am Freitag begangen.

Auf die Frage, ob sie die Islamische Republik unterstütze, sagte sie: «Nein, tue ich nicht. Wie könnte ich? Sie haben meine Enkelin bei ‌den Protesten getötet. Wir wollen, dass dieses Regime verschwindet.»