Bern (awp/sda) - Das italienische Parlament hat am Dienstag seine Sitzungen mit einer Schweigeminute für die Opfer von Crans-Montana VS eröffnet. «Der Schmerz der Familien der Opfer ist ein Schmerz, den die ganze Nation erleidet», sagte der Präsident des Senats, Ignazio La Russa.
Sechs junge Menschen aus Italien kamen bei dem Brand in der Silvesternacht ums Leben und weitere 14 wurden verletzt.
«Im Namen des Senats spreche ich den Angehörigen der verstorbenen jungen Menschen mein tief empfundenes Beileid aus und bitte die Kammer, einige Augenblicke der Stille zum Gedenken an diese schreckliche Tragödie zu begehen», sagte La Russa. «Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer, bei den verletzten jungen Menschen, die diese schwere Zeit mit Würde und Stärke durchstehen.»
Verantwortliche strafrechtlich verfolgen
Die Tragödie müsse geklärt, und die Verantwortlichen müssten strafrechtlich verfolgt werden, sagte La Russa weiter. Die Regierung verfolge die Ermittlungen mit grösster Aufmerksamkeit. Man fordere vollständige Klarheit über die Geschehnisse, auch angesichts «des für alle offensichtlichen fahrlässigen Verhaltens», sagte Aussenminister Antonio Tajani. Er war am 2. Januar an den Unglücksort gereist.
Noch nie habe er in seinem Leben derartigen Schmerz empfunden, «jeder von uns hätte dort Kinder oder Enkelkinder vorfinden können», sagte Tajani. «Mehr als Minister der Republik oder als Vertreter unseres Landes im Ausland fühlte ich mich als Vater, als Grossvater, und ich vergoss still einige Tränen, weil es ein schrecklicher Anblick war.»
Auch die grössere der beiden Kammern, die italienische Abgeordnetenkammer, hielt am Dienstag einen Moment inne. Die jungen Menschen, die in Crans-Montana das neue Jahr feierten, hatten «das ganze Leben vor sich», sagte der Präsident der Abgeordnetenkammer, Lorenzo Fontana, in Rom.
Das Geschehene habe in Italien «tiefe Trauer und weitverbreitete Empörung» ausgelöst, hielt Aussenminister Tajani im Rahmen einer Unterrichtung der Abgeordnetenkammer zu den Vorfällen von Crans-Montana fest. «Ich hoffe, dass die Wahrheit mit grösstmöglicher Sorgfalt gesucht wird und dass die Justiz rasch ihren Lauf nimmt», sagte er.
«Italienisches Volk fordert Gerechtigkeit»
Der italienische Aussenminister kündigte in der Mailänder Zeitung «Corriere della Sera» zudem an, dass Italien als Zivilkläger auftreten wolle, sollte es zu einem Prozess kommen. In einem möglichen Prozess gegen Verantwortliche wolle sich Italien auch aktiv einbringen.
Aus dem ganzen italienischen Volk gebe es «eine klare Forderung», sagte Tajani in der Abgeordnetenkammer weiter: «Gerechtigkeit.»
«Wir wollen wissen, wer die Verantwortung trägt», fuhr der italienische Aussenminister fort. Einige Verantwortlichkeiten schienen offensichtlich, es habe Festnahmen gegeben, aber man fordere weitere Ermittlungen. Es sei «absolut richtig», dass Italien sich dem Strafverfahren als Nebenkläger anschliesse.
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(AWP)
