«Erneut droht die Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten», heisst es anlässlich des neuesten Ausblicks der Organisation. Waren es vergangenes Jahr noch «höhere Handelsbarrieren und verstärkte Unsicherheit» - das dürfte eine mildernde Umschreibung für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sein - belasten jetzt das eingebrochene Angebot von Rohstoffen infolge der blockierten Strasse von Hormus und die Unsicherheit durch den Krieg.
Bei vielen Nationen korrigierte der IWF seine Prognosen nach unten - die Annahmen seien allerdings nur dann gültig, sofern der Krieg in Dauer, Intensität und Umfang begrenzt bleibe und die wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026 abklingen würden.
Für die Schweiz rechnet der IWF mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im laufenden und im nächsten Jahr von 1,3 Prozent. Die Inflation dürfte bei 0,5 Prozent liegen, wie aus den IWF-Daten hervorgeht.
Deutschland gebremst
Für Deutschland, den wichtigen Absatzmarkt der der Schweizer Firmen, hat der IWF ein Vierteljahr nach der jüngsten Anhebung wieder eine Korrektur nach unten vorgenommen: 2026 dürfte die deutsche Wirtschaft nun um 0,8 Prozent wachsen - noch im Januar hatten die Konjunkturexperten ihre Erwartungen auf 1,1 Prozent nach oben gehievt.
Im nächsten Jahr soll das deutsche BIP dann um 1,2 Prozent zulegen. Im Januar hatten die Experten noch mit 1,5 Prozent Wachstum gerechnet.
Auch Eurozone und Weltwirtschaft betroffen
Für die Weltwirtschaft erwartet die Organisation in diesem Jahr ein Wachstum von 3,1 Prozent (Januar: 3,3 Prozent). 2027 soll die Welt weiterhin um 3,2 Prozent zulegen. Damit würde sich die Welt langsamer entwickeln als in den Jahren zuvor.
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnte bereits: «Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben.» Das Wachstum werde langsamer ausfallen - «selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist». So dürfte sich das Konjunkturwachstum mittelfristig auf dem neuen Niveau einpendeln und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 3,7 Prozent zwischen 2000 und 2019 liegen.
Für die Eurozone rechnet der IWF in diesem Jahr nunmehr mit einem Plus von 1,1 Prozent (Januar: 1,3 Prozent). Für 2027 erwartet die Organisation ein Konjunkturplus von 1,2 Prozent statt bislang 1,4 Prozent.
Auch für die USA als eine der unmittelbar involvierten Kriegsparteien im Konflikt mit dem Iran wird der IWF leicht vorsichtiger: Die Wirtschaft in dem Land dürfte 2026 nun um 2,3 Prozent wachsen (Januar: 2,4 Prozent). Kommendes Jahr rechnen die Experten dagegen mit einem Plus von 2,1 Prozent und damit etwas mehr als bislang (2,0 Prozent).
IWF: Inflation könnte deutlich nach oben springen
Die IWF-Chefin verwies zudem auf kurzfristige Risiken für ein Hochschnellen der Inflation infolge des Krieges. Die Erwartungen für die Teuerungsrate in den USA und in der Eurozone seien bereits deutlich gestiegen. «Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht verändert - das ist sehr gut und sehr wichtig», sagte Georgiewa.
2026 dürfte die Gesamtinflation weltweit bei 4,4 Prozent liegen und im kommenden Jahr auf 3,7 Prozent schrumpfen. Damit würden die Werte deutlich über dem Zielwert von 2,0 Prozent liegen, den viele Zentralbanken anstreben.
Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die EZB sieht Georgiewa bislang nicht in Zugzwang. «Derzeit ist es sinnvoll, abzuwarten und die Lage zu beobachten», hiess es weiter. Zentralbanken haben unter anderem im Fokus, die Inflation stabil zu halten. Steigt diese, können die Banken mit Zinserhöhungen diese bremsen - das allerdings kann die Wirtschaftsleistung abwürgen.
jb/mk
(AWP)
