Nach IWF-Schätzungen dürfte 2027 das Wachstum dann mit 1,2 Prozent um 0,2 Punkte schwächer ausfallen. Die Inflation erwarten die Ökonomen dann bei 2,3 Prozent - 0,4 Punkte höher als noch zu Beginn dieses Jahres antizipiert.
Das Institut mit Sitz in Washington warnte davor, dass ein anhaltender Energieschock die Inflation und die Inflationserwartungen weiter anheizen könnte, während ein Vertrauensverlust oder finanzielle Schwierigkeiten die Nachfrage abbremsen könnten. Ein Wiederaufflammen des Krieges der USA gegen den Iran stelle unterdessen ein zusätzliches Risiko dar.
IWF empfiehlt EZB restriktivere Geldpolitik
Aufgrund der Sorgen um eine Stagflation riet der IWF, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im laufenden Jahr noch deutlicher straffen müsse als gedacht. Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte die EZB gezwungen sein, noch drastischer einzugreifen. Die EZB mit Sitz in Frankfurt/Main hob heute den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Punkte auf 2,25 Prozent an.
Unterdessen kritisierte der IWF erneut europäische Regierungen für breit gestreuten Entlastungen für ihre Bürger. «Jede Fortführung solcher oder neue Massnahmen sollte gezielter darauf ausgerichtet sein, gefährdete Haushalte zu schützen und gleichzeitig die Preissignale zu erhalten», hiess es. Bereits zuvor hatte das Institut mit Sitz in Washington gemahnt, eine nicht zielgerichtete Unterstützung komme überproportional einkommensstarken Haushalten zugute, die mehr Energie verbrauchten.
Die Bundesregierung etwa hatte einen temporären Tankrabatt seit dem 1. Mai eingeführt. Die Steuersenkung zur Entlastung von den stark gestiegenen Spritpreisen infolge des Iran-Kriegs soll Ende Juni auslaufen. Die Koalition hatte die Spritsteuer um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt.
IWF erneuert Forderungen
Um künftig resilienter gegen Krisen zu sein, wiederholte der IWF zudem seine Aufforderungen für Reformen auf EU-Ebene. So müssten der europäische Binnenmarkt gestärkt und die Abhängigkeit von globalen Energiemärkten verringert werden. Angesichts einer alternden Gesellschaft bei schwachem Produktivitätswachstum warnte der IWF vor nationalen Alleingängen und einer protektionistischen Industriepolitik.
Geplante EU-Vorgaben, bestimmte Güter verstärkt lokal in Europa zu produzieren, drohten Marktmechanismen zu verzerren und Kosten in die Höhe zu treiben. Stattdessen gelte es, bürokratische Hürden abzubauen, ohne dabei die mühsam erreichten Standards der Finanzmarktregulierung aufzuweichen.
Auch Weltbank wird für 2026 vorsichtiger
Auch die Weltbank passte ihre Prognosen heute für die Eurozone an. Mittlerweile geht sie von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im laufenden Jahr aus, also 0,1 Punkte weniger als bislang. Grund seien die gestiegenen Preise für Öl und Gas, die die stärkere Konjunktur zum Jahreswechsel und geringere US-Zölle in den Schatten stellten, hiess es.
2027 dürfte die Leistung dann allerdings mit 1,3 Prozent 0,1 Punkte stärker ausfallen, da die Weltbank dann mit einer stärkeren Binnennachfrage infolge sinkender Energiepreise rechnet. Zudem dürften staatliche Unterstützungen und Investitionen, allen voran in Deutschland, die Wirtschaftsleistung zusätzlich stützen. Für 2028 wird ebenfalls mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet./ngu/DP/jsl
(AWP)
