Erstmals ‌seit 2011 kauften die ⁠Währungshüter in Washington und Tokio koordiniert die japanische Währung, um sie von einem 40-Jahres-Tief zu hieven und Spekulanten in die Schranken zu weisen. Analysten zufolge verschafft die Aktion ⁠der japanischen Notenbank (BoJ) zwar Zeit. Dauerhaft lasse sich der Abwärtstrend jedoch nur mit einer strafferen Geldpolitik stoppen. Der Yen legte nach der am Montag bestätigten Intervention um ein Prozent auf 155,20 Yen je Dollar ‌zu. Dies ist der höchste Stand seit rund drei Monaten. Im Juni war der Dollar bis auf fast 164 ‌Yen gestiegen, den höchsten Stand seit 1986.

US-Präsident Donald Trump bestätigte am Sonntag (Ortszeit) die gemeinsame Aktion. «Der ​Yen schwächt sich ab, und sie wollten ein wenig Hilfe. Und wir sind immer für Japan da», sagte Trump an Bord der Air Force One. Die Vereinigten Staaten zögen einen finanziellen Nutzen aus der Vereinbarung.

Dem japanischen Finanzministerium zufolge soll der Schritt den starken Kursausschlägen und den ungeordneten Bewegungen des Yen entgegenwirken. Man stehe in engem Austausch mit dem US-Finanzministerium und werde nicht zögern, weitere gemeinsame Interventionen vorzunehmen. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, auch Washington wolle sich an weiteren Eingriffen beteiligen. Besssent bekräftigte zudem seine Forderung nach Zinserhöhungen ‌durch die BoJ.

Historischer Schritt

Zuletzt hatten beide Länder 2011 nach dem schweren Erdbeben und Tsunami in Ostjapan koordiniert eingegriffen. Japan kämpft seit Längerem gegen die Abwertung seiner Währung, die die Importpreise hochtreibt und die Inflation anheizt. Dies belastet die Verbraucher und drückt die Umfragewerte von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi.

Die gemeinsame Aktion gilt als deutlich wirkungsvoller als die bisherigen Alleingänge Japans. Allein ​im späten April und frühen Mai hatte das ostasiatische Land 70 Milliarden Dollar aufgewendet, um den Yen zu stützen. Ähnlich wie ​bei Interventionen in den Jahren 2024 und 2022 war die Erholung jedoch nur von kurzer Dauer. Dass ​nun auch die USA sich beteiligen, erhöht den Druck auf jene, die gegen den Yen wetten. «Dies ist ein sehr starkes Signal», sagte Elias Haddad, Leiter der globalen Marktstrategie beim Finanzinstitut BBH in London. «Die ‌Geschichte zeigt recht deutlich, dass koordinierte Interventionen eine starke Wirkung haben und in der Regel erfolgreich sind.» Es dauere jedoch eine Weile, bis sich der Trend in die gewünschte Richtung bewege.

Die eigentliche Ursache für die Schwäche des Yen liegt jedoch in der Geldpolitik. Während die Zinsen in den meisten grossen Volkswirtschaften hoch sind, hält die japanische Notenbank an ihrem ​extrem lockeren Kurs ​fest. Dies macht Anlagen im Yen für internationale Investoren unattraktiv. Spekulanten hatten die Situation ausgenutzt ⁠und ihre Wetten gegen den Yen auf ein Volumen von rund 12,5 Milliarden Dollar ausgebaut, den höchsten ​Stand seit zwei Jahren. Im Juli ⁠war der Yen auf 163,99 je Dollar gefallen, den schwächsten Wert seit 1986.

Experten sind sich daher einig, dass die bisherigen Eingriffe allein nicht ausreichen. «Um die Erwartungen für ‌den Yen zu verankern, ist eine weitere Straffung durch die BoJ erforderlich», sagte Fred Neumann, Asien-Chefvolkswirt der Bank HSBC. Die Notenbank hatte zuletzt signalisiert, dass sie die Zinsen möglicherweise bereits im September anheben könnte. «Eine überraschende Zinserhöhung durch die Bank von Japan würde viel dazu beitragen, die Erwartungen an die Entschlossenheit ‌der Zentralbank zur Straffung der Geldpolitik neu auszurichten», sagte Neumann.

Japan ist mit Beständen von 1,14 Billionen Dollar der grösste ausländische Gläubiger ​der USA. Durch die Nutzung einer sogenannten Fazilität kann sich Tokio Dollar-Liquidität beschaffen, ohne seine US-Staatsanleihen direkt verkaufen zu müssen, was die Renditen am US-Anleihemarkt in die Höhe treiben würde. Bessent regte an, den Rahmen dieser Fazilität in den kommenden Monaten aufzustocken. Eine solche Ausweitung müsste jedoch von der US-Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh gebilligt werden. 

(Reuters)