Die Kantonsregierung in Lausanne kündigte am Donnerstag «verschiedene dringende Massnahmen an, um die Sicherheit von rund 4000 Gastronomie- und Unterhaltungsbetrieben im Hinblick auf Brandschutznormen zu überprüfen und zu gewährleisten», wie es in einer Mitteilung hiess.

Ziel sei es, die Bevölkerung zu beruhigen und die zahlreichen Fragen zu beantworten, die seit dem 1. Januar und dem Drama von Crans-Montana aufgetaucht seien. Um einen klaren und soliden rechtlichen Rahmen zu schaffen, möchte der Staatsrat auch eine gründliche Analyse der geltenden kantonalen Vorschriften durchführen, wie er hinzufügt.

Am Rande all dieser Massnahmen hat der Staatsrat in Lausanne auch beschlossen, die Verwendung aller pyrotechnischen Gegenstände in Bars, Diskotheken und Restaurants zu verbieten. Er hat daher das Departement für Umwelt, Jugend und Sicherheit beauftragt, ihm «sehr schnell» eine Änderung der gesetzlichen Bestimmungen vorzuschlagen.

Keine Rechnungen an Opfer

Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana und deren Angehörige erhalten vorerst keine Rechnungen für Rettung und Behandlungen. Dazu wurden Spitäler und Rettungsdienste aufgefordert.

Grundsätzlich gelte im Moment, dass niemand eine Rechnung an Opfer oder deren Angehörige stelle. Das sagte Gaby Szöllösy, Generalsekretärin der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK), am Donnerstag zu Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Die Walliser Spitäler seien aufgefordert worden, ihre Rechnungen an die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) zu adressieren, hiess es bei SRF weiter. Über die Opferhilfe könne zudem Soforthilfe beantragt werden. Betroffene sollten sich in ihrem Wohnkanton an die zuständige Beratungsstelle wenden. Dort würden sie Beratung und finanzielle Hilfe erhalten. Diese Unterstützung erhielten auch ausländische Brand-Opfer.

Ermittlungen auch in Italien und Belgien

Nach Frankreich haben nun auch Belgien und Italien Ermittlungen im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Crans-Montana angekündigt. Bei dem Unglück in der Silvesternacht kamen im Wallis 40 Menschen ums Leben, darunter sechs italienische Jugendliche.

Aufgrund dieser Tatverdachtsmomente Brandstiftung und fahrlässige Tötung eröffnete die Staatsanwaltschaft Rom ein Ermittlungsverfahren. Dies teilte die Behörde am Donnerstag gemäss der italienischen Nachrichtenagentur askanews mit.

Zuvor hatte bereits die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Eine Schülerin der sechsten Klasse in Rixensart war bei dem Brand in Crans-Montana ums Leben gekommen, wie die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz der Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag mitteilte.

Am Montag hatte bereits die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet. Das Aussenministerium in Paris hatte neun tote französische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger bestätigt, darunter mehrere Minderjährige.

Am vergangenen Samstag leitete die Walliser Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber des Lokals ein. Sie werden der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung sowie fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst verdächtigt. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

(AWP)