Grundsätzlich verfüge die Schweiz weiterhin über grosse Wasserressourcen, hielt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA fest. Allerdings könnten Trockenperioden regional und zeitlich begrenzt zu Wasserknappheit und Nutzungskonflikten führen.
Ob und ab wann es zu konkreten Problemen bei der Trinkwasserversorgung kommt, lasse sich nicht schweizweit beantworten, so das Bafu. Der Grund: die Wasserhoheit liege bei den Kantonen; die Wasserversorgung sei kommunal beziehungsweise kantonal organisiert und hänge stark von den lokalen Wasserressourcen, der Infrastruktur sowie der Vernetzung der Versorgungssysteme ab.
Das sieht die Eawag, das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, ähnlich: Die Reserven im Grundwasser und in den Seen seien gross, hiess es. Mögliche Verknappungen liessen sich durch eine stärkere technische und organisatorische Vernetzung unter den Wasserversorgungen abfedern. Der reine Trinkwasserverbrauch sei im Vergleich zu dem, was die Landwirtschaft benötige, klein. Ein akutes Problem für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sei die Situation daher noch nicht.
Bereits 2009 hat die Eawag in einem Bericht zur Zukunft der Wasserversorgung ausserdem festgehalten: «Gegenwärtig bestehen noch kaum Nutzungskonflikte zwischen der Landwirtschaft und den Trinkwasserversorgungen. Bei einem stark zunehmenden Bedarf nach Bewässerungswasser könnte sich dies jedoch ändern.» Dies zum Beispiel, weil Entnahmen aus Flüssen und Bächen mit ohnehin geringer Wasserführung die Anreicherung von Grundwasser durch Infiltration entlang dieser Fliessgewässer sowohl mengenmässig als auch qualitativ beeinträchtigen könnten.
Kein Futtergras und kleinere Ernte
Besonders unter der Trockenheit leidet derzeit die Landwirtschaft. So beklagt der Solothurner Bauernverband, dass kein Gras mehr wachse und die Ernte kleiner ausfalle und früher eingefahren werden müsse.
Sehr angespannt sei die Situation beim Futter für die Tiere: Es wachse kaum etwas, viele Betriebe hätten bereits die Reserven angezapft, und die Importe gestalteten sich schwierig, schreibt der «Schweizer Bauer».
Und das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Schweiz, Agroscope, warnt: Falls die Trockenheit bis weit in den August anhalte, werde die Situation noch kritischer als 2003 oder 2018.
(AWP)
