Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in einem am Mittwoch publizierten Bericht, den der Ständerat mit einem überwiesenen Postulat von Thierry Burkart (FDP/AG) bestellt hatte. Eine Aktennotiz des Bundesamts für Energie (BFE) bestätigte bereits im Jahr 2024 die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Langzeitbetriebs der Schweizer Kernkraftwerke bis zu sechzig Jahren.

Gemäss dem neuesten Bericht geht der Bundesrat davon aus, dass auch ein achtzigjähriger Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt technisch möglich und in den allermeisten Fällen auch wirtschaftlich wäre. Die erforderlichen Investitionen für technische Nachrüstungen beim Langzeitbetrieb in Höhe von 0,7 bis 1,2 Milliarden Franken pro Werk würden sich voraussichtlich lohnen. «Aus heutiger Sicht erscheint eine substanzielle Wirtschaftlichkeitslücke als sehr unwahrscheinlich.»

Eine finanzielle Förderung des Langzeitbetriebs erachtet die Landesregierung derzeit als nicht notwendig. Falls sich wider Erwarten eine Wirtschaftlichkeitslücke oder erhebliche Investitionshemmnisse ergeben sollten, erachtet der Bundesrat zweiseitige Differenzverträge über die «gleitende Marktprämie» oder Investitionsbeiträge als geeignete staatliche Fördermassnahmen.

Stabile Rahmenbedingungen schaffen

In der Schweiz sind derzeit vier Kernkraftwerke in Beznau, Gösgen und Leibstadt in Betrieb. Diese leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Stromproduktion der Schweiz. Im Jahr 2024 betrug die Stromproduktion aus Kernenergie rund dreissig Prozent der inländischen Stromproduktion. Das Kernkraftwerk Mühleberg wurde 2019 endgültig ausser Betrieb genommen.

Wann die übrigen Kernkraftwerke ausser Betrieb genommen werden, ist unklar. Bei Gösgen müsse bis 2029 entschieden werden, ob das Werk weiterbetrieben oder wie geplant vom Netz genommen werde, sagte Axpo-Chef Thomas Sieber kürzlich. Stabile regulatorische Rahmenbedingungen seien von zentraler Bedeutung.

Axpo besitzt das Kernkraftwerk Beznau im Kanton Aargau und ist an den Kraftwerken Leibstadt und Gösgen beteiligt. Im Jahr 2024 kündigte der Konzern an, das Kernkraftwerk Beznau im Jahr 2033 nach rund sechzig Jahren ausser Betrieb zu nehmen.

Das Kernkraftwerk Gösgen wird im Jahr 2039 und das Kernkraftwerk Leibstadt im Jahr 2044 die Schwelle von sechzig Betriebsjahren erreichen. Würde man einen Langzeitbetrieb von bis zu achtzig Jahren anstreben, würden die Reaktoren bis 2059 respektive 2064 am Netz bleiben können.

Option neuer AKWs offenhalten

Die Kernkraftwerke in der Schweiz verfügen über unbefristete Betriebsbewilligungen und können so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) überprüft laufend, ob die Sicherheit gewährleistet ist. Dank umfangreicher Nachrüstungen weisen alle Schweizer Kernkraftwerke heute ein im internationalen Vergleich gutes Sicherheitsniveau auf, wie der Bundesrat schreibt.

Der Bericht des Bundesrats hält weiter fest, dass der Weiterbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zusammen mit einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien die Importabhängigkeit im Winter reduzieren und die Versorgungssicherheit deutlich verbessern könne. Eine vertiefte Beurteilung dieser Fragestellungen werde im Rahmen der Energieperspektiven 2060 erfolgen.

Derzeit berät das Parlament einen indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats zur Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)». Damit soll in der Schweiz der Bau neuer Atomkraftwerke wieder möglich werden. Bei einem unzureichenden Ausbau der erneuerbaren Energien könne der Bau eines neuen Kernkraftwerks auf lange Sicht dazu beitragen, den bestehenden Deckungsbedarf deutlich zu reduzieren, schreibt der Bundesrat.

(AWP)