So habe sich das Feuer sehr schnell zu einem Brand entwickelt, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitag vor den Medien in Sitten. Vor Ort habe man Spuren gesichert. Zudem hätten die Ermittler Videoaufnahmen erhalten und analysiert, sowie mehrere Personen befragt - darunter die beiden französischen Barbetreiber.
Der weitere Verlauf der Untersuchung werde sich insbesondere mit den Umbauten, den verwendeten Materialien, den Betriebsgenehmigungen sowie mit den Sicherheitsvorkehrungen befassen. «Damit sind gemeint: die vorhandenen Löschmittel, Fluchtwege, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften und die allgemeinen Mittel zur Brandbekämpfung.»
Auch werde ermittelt, wie viele Personen tatsächlich anwesend waren und wie viele es laut Genehmigung hätten sein dürfen. Weiter würden die Einrichtung des Lokals, die Evakuierungswege und der allgemeine Zugang untersucht.
Es gebe die Möglichkeit einer strafrechtliche Verfolgung, sagte Pilloud weiter. Wenn es um die Verantwortung von noch lebenden Personen gehe, könnte eine strafrechtliche Untersuchung wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet werden.
71 Schweizer unter Verletzten
Von den 119 Verletzten waren am Freitagnachmittag 113 identifiziert, wie der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler bekanntgab. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt.
Die Behörden gehen weiterhin von 40 Todesopfern aus, wie Gisler sagte. Zuvor hatte Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer darauf hingewiesen, dass viele der Verletzten nach wie vor in den Spitälern um ihr Leben kämpften.
Spezialeinheit am Werk
Die Identifikation der Verstorbenen laufe weiter auf Hochtouren, sagte Polizeikommandant Gisler. Ziel sei es, möglichst schnell Klarheit zu schaffen.
Zu diesem Zweck stehe eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern im Einsatz, ein sogenanntes DVI-Team (Disaster Victim Identification), sagte Kripo-Chef Pierre-Antoine Lengen.
Diese Einheit sei nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Asien aufgebaut worden. Sie sei unter anderem zusammengestellt aus spezialisierten wissenschaftlichen Ermittlern der Polizei, Rechtsmedizinern und Zahnärzten.
Die Spezialeinheit arbeite nach internationalen Standards. Bei der Opferindentifizierung dürften sich die Behörden keine Fehler erlauben, betonte Lengen. Im Übrigen könne die Walliser Polizei auf die Unterstützung aus anderen Kantonen, der Bundesbehörden sowie weitere Partner im In- und Ausland zählen.
Privatsphäre respektieren
Eric Bonvin, der Generaldirektor des kantonalen Spitalverbunds Spital Wallis sagte, die Erstversorgung der Verletzten habe gut funktioniert. Wegen der Feiertage mit vielen Feriengästen sei das Personal ohnehin aufgestockt worden. «Wir waren also in der Silvesternacht gut aufgestellt.»
Nun stünden die Familien in Kontakt mit ihren verletzten Angehörigen. Das sei ein heikler Moment. Bonvin erinnerte die Medienschaffenden daran, die Privatsphäre der Menschen einzuhalten. Einige Journalisten hätten versucht, ins Spital zu gelangen, sagte er.
(AWP)