Der Spitalverbund des französischsprachigen Wallis (CHVR) zählte an seinen Standorten in Sitten und Siders insgesamt elf Patientinnen und Patienten - eine Person weniger als am Vortag. «Alle konnten die Intensivstation verlassen», teilte der Spitalverbund der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Mittwoch auf Anfrage mit.
Noch neun Verletzte wurden im Universitätsspital Lausanne (Chuv) behandelt. «Diese Patienten sind schwer verbrannt und benötigen umfangreiche Pflege und eine intensive Betreuung, darunter regelmässige chirurgische Eingriffe», schreibt das Universitätsspital.
Zwei Verletzte befanden sich weiterhin in den Genfer Universitätsspitälern (HUG). Auch sie konnten die Intensivstation verlassen, wie die HUG ausführten. Im Universitätsspital Zürich (USZ) wurden sechs schwer verletzte Patienten versorgt. «Ihr Zustand bleibt kritisch und wird es noch mehrere Wochen bleiben», teilte das USZ auf Anfrage mit.
Das Spital Riviera-Chablais behandelte am Mittwoch keine Verletzten der Brandkatastrophe der Silvesternacht im Walliser Touristenort mehr, ebenso wenig das Berner Inselspital. 46 Überlebende des Unglücks wurden gemäss Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard im Ausland hospitalisiert.
Italien trauert
Italien hat am Mittwoch der Opfer der Tragödie gedacht. Insgesamt zählen sechs Italiener im Alter von 15 bis 16 Jahren zu den 40 Todesopfern des Brandes, zudem wurden elf Italiener verletzt. In sämtlichen Schulen des Landes wurde eine Schweigeminute abgehalten, die Stadt Mailand rief einen Tag der kommunalen Trauer aus.
Der italienische Bildungsminister Giuseppe Valditara begab sich für die um 10.30 Uhr abgehaltene Schweigeminute ins Kunstlyzeum San Carlo in Mailand, das einer der jungen Menschen besucht hatte, die in der Bar «Le Constellation» in der Silvesternacht ums Leben kamen.
«Heute ist ein Tag der Trauer, der Nähe zu den Eltern und Freunden der verstorbenen jungen Menschen», fügte der Minister hinzu. Valditara gedachte zudem aller Verletzten und ihrer Familien sowie «der jungen Leute, die einen Freund verloren haben - etwas Dramatisches».
1000 Gäste in Martigny erwartet
In der Schweiz steht die nationale Trauerfeier am kommenden Freitag an. Bei der offiziellen Zeremonie in Martigny im Wallis werden über 1000 Gäste erwartet. Die Landesregierung wird vertreten von Bundespräsident Guy Parmelin, Aussenminister Ignazio Cassis, Justizminister Beat Jans sowie Bundeskanzler Viktor Rossi.
Bis Mittwoch kündigten 30 Staaten ihre Teilnahme an, darunter Italien mit Präsident Sergio Mattarella und Frankreich mit Staatspräsident Emmanuel Macron. Luxemburg wird durch Grossherzog Henri, Belgien durch Premierminister Bart De Wever und Serbien durch Aussenminister Marko Djuric vertreten sein.
Zudem werden alle Landeskirchen und weitere Vertretungen der Religionen an der Gedenkzeremonie teilnehmen. Um 14 Uhr läuten schweizweit die Kirchenglocken, und die Gotteshäuser stehen offen. Zeitgleich ist eine Schweigeminute vorgesehen.
Am Gedenktag werden sich auch die Schweizerischen Bundesbahnen beteiligen, wie sie am Mittwoch auf Anfrage mitteilten. Auf die Schweigeminute werde unter anderem mit Durchsagen in Zügen hingewiesen. In Basel lädt der Regierungsrat zum Gedenken auf den Marktplatz, in Zürich wird der Stadtrat die Schweigeminute auf dem Münsterhof abhalten.
Walliser Sicherheitsdirektor «schockiert»
Beim verheerenden Brand in der Silvesternacht in Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben, 116 weitere wurden grösstenteils schwer verletzt. Unter den Opfern befanden sich zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene. Der Brand wurde höchstwahrscheinlich von Wunderkerzen ausgelöst, welche die Lärmschutzdecke der Bar aus Schaumstoff in Brand setzten.
Der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer hat sich am Dienstagabend «schockiert» gezeigt über die Versäumnisse der Gemeinde Crans-Montana bei den Brandschutzkontrollen. Solche Dinge dürften in einem Land, in dem die Normen präzise und die gesetzliche Grundlage streng sind, nicht passieren, sagte er dem Westschweizer Fernsehen RTS.
Zuvor hatte der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, an einer Medienkonferenz eingeräumt, dass seit 2019 keine Kontrolle mehr in der Bar «Le Constellation» durchgeführt worden sei, obwohl diese eigentlich jährlich stattfinden sollte. Ganzer sagte dazu, er sei «mehr als schockiert und verärgert über gewisse Dinge, die er in diesem Zusammenhang» erfahren habe.
(AWP)
