Um 09.45 Uhr steigen Kühne+Nagel um 0,1 Prozent auf 208,10 Franken nachdem die Titel zuvor mit einem Plus von 1,8 Prozent klar fester in den Handel gestartet sind und in der Folge um den Vortagsschlusskurs pendelte. Der SMI verliert derweil unter dem Eindruck des schwachen Schwergewichts Nestlé 1,3 Prozent.
Die Kühne-Papier legen somit eine Verschnaufpause ein. Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die Titel mit einem Kursplus von mehr als einem Fünftel gut geschlagen, nachdem es allerdings im Vorjahr mit einem Minus von rund 18 Prozent sehr schwach abgeschnitten hatten.
Unter Analysten werden die Quartalszahlen des Logistikers grundsätzlich positiv beurteilt. Kühne+Nagel habe die EBIT-Konsensschätzungen um rund 8 Prozent geschlagen, heisst es etwa bei der Bank Vontobel. «Der Konzern erzielte ein ermutigendes Quartalsergebnis, das durch Marktanteilsgewinne in allen Geschäftsbereichen, positive Mix-Effekte und Verbesserungen der Rentabilität aufgrund bereits eingeleiteter Kostensenkungsinitiativen angetrieben wurde», so Vontobel-Experte Michael Foeth. Er hebt sein Kursziel auf 240 von 210 Franken an.
Gut kommt bei den Experten auch die angehobene Guidance an. Hier seien die aktuellen Konsensschätzungen zu tief, heisst es in verschiedenen Kommentaren. Ein Grund für die Anhebung des Jahreszieles sei neben Volumeneffekten, dass das Unternehmen rascher als gedacht mit dem Sparprogramm vorwärtskomme, schreibt der Analyst der UBS. Es seien nun im laufenden Jahr Einsparungen von über 120 statt mindestens 100 Millionen Franken geplant.
Als weiterer positiver Punkt gilt unter den Fachleuten die Quantifizierung der KI-Effizienzgewinne. «Wir sind der Ansicht, dass der Einsatz von KI die Kosten bei Spediteuren senken kann und dass Kühne+Nagel einer der Gewinner sein wird», schreibt der Bernstein-Experte dazu. Allerdings sei noch nicht ganz klar, ob dies zu Margenverbesserungen führe oder bloss den Kunden in Form von tieferen Preise zugute komme.
Kühne+Nagel überzeuge mit einer starken Gewinnentwicklung und einer erhöhten Guidance, schreibt auch Gian Marco Werro von der ZKB. Dabei sei die Produktivität durch den KI-Einsatz klar gesteigert worden, was noch nicht in der EBIT-Prognose berücksichtigt wurde. Allerdings könnte die angespannte Weltlage in der zweiten Jahreshälfte zu schwächeren Handelsvolumen führen, warnt der Analyst. Die Zahlen zu den Container-Volumen seien für die EBIT-Entwicklung in der Seefracht besonders wichtig.
Die Aktie sei nach dem jüngsten Rückenwind an der Börse und mit Blick auf die moderaten operativen Fortschritte sowie auf den zunehmenden makroökonomischen Risiken nicht günstig bewertet, hält der ZKB-Experte weiter fest. Er sieht den fairen Wert pro Aktie weiterhin bei 200 Franken.
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(AWP)
