In Nahost eskaliert die Lage ungeachtet der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um einen Frieden mit dem Iran. Israel griff am Montag trotz Mahnungen Trumps als Reaktion auf iranische Angriffe eine petrochemische Anlage sowie militärische Ziele in der Islamischen Republik an. Die Luftwaffe habe den Komplex in Mahschahr im Südwesten des Iran bombardiert, teilte das israelische Militär mit. Der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge wurden Teile der Anlage beschädigt. Der Iran feuerte elf ballistische Raketen auf Israel ab. Die israelische Armee erklärte, sie habe die Geschosse abgefangen. Zudem sei eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete abgewehrt worden. Die wechselseitigen Angriffe trieben die Ölpreise an. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um mehr als drei Prozent auf über 96 Dollar je Barrel.
Trump hatte den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu einem Medienbericht zufolge aufgefordert, von weiteren Angriffen abzusehen. Wie das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter berichtete, telefonierte Trump am Sonntag mit Netanjahu. Ein Abkommen mit dem Iran sei in greifbarer Nähe, habe Trump zur Begründung gesagt.
Den israelischen Luftangriffen war ein iranischer Raketenangriff auf Israel am Sonntag vorausgegangen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt Ramat David nahe Nazareth ins Visier genommen. Auslöser der iranischen Angriffe war demnach wiederum ein israelischer Angriff auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, die Hochburgen der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz sind. Der Iran pocht darauf, dass der Libanon in ein Friedensabkommen und eine Waffenruhe-Vereinbarung einbezogen wird.
Trump: «Ich habe das zu sagen»
In einem Interview der Zeitung «Financial Times» erklärte der US-Präsident, wechselseitige Angriffe von Israel und Iran würden die Friedensgespräche seiner Regierung mit Teheran nicht beeinträchtigen. «Ich habe das Sagen», sagte Trump. «Er (Netanjahu) hat nicht das Sagen.» Der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, verteidigte das Vorgehen seines Landes. «Jeder hat genug von diesem wahnsinnigen iranischen Regime», schrieb er auf der Online-Plattform X. Kein Land der Welt würde einen iranischen Angriff tolerieren. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, schrieb auf X: «Das Mutterschiff des Satans befindet sich in Teheran.»
Der Iran und Israel hatten sich seit Beginn des Krieges Ende Februar immer wieder gegenseitig angegriffen. Anfang April vereinbarten die USA und Israel eine Feuerpause mit dem Iran. Der Iran blockiert wegen des Krieges jedoch weiter den Grossteil der Schifffahrt durch die Strasse von Hormus. Durch die Meerenge wird ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen.
Trump pocht auf ein Abkommen, das den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen hindert. «Wir stehen sehr kurz vor einer Einigung, oder ich werde sie in Grund und Boden bomben», sagte er dem Sender NBC. Die Führung in Teheran bestreitet, nach Atomwaffen zu streben und fordert im Gegenzug für ein Abkommen die Aufhebung der Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Gelder in Milliardenhöhe. Zudem beansprucht der Iran die Kontrolle über die Strasse von Hormus, was die USA ablehnen. Der iranische Botschafter in Russland, Kasem Dschalali, sagte der Zeitung «Iswestija», die Meerenge werde geöffnet, allerdings unter neuen Bedingungen. Der Iran und der Oman würden künftig Gebühren für Dienstleistungen in der Region erheben.
(Reuters)

